Egon Eiermann DIGITAL

Zur Ausstellung

Xenia und Katja

"Eiermann" – bei dem Namen denkt man vielleicht nicht sofort an einen erfolgreichen Architekten, auch wir haben noch nicht von ihm gehört… Bis jetzt:
Die Ausstellung Egon Eiermann DIGITAL gibt uns nämlich die Möglichkeit, einen der bedeutendsten Architekten der Nachkriegszeit in Deutschland kennenzulernen. In der Badischen Landesbibliothek (BLB) könnt ihr noch bis zum 25. April 2020 mit den von dem Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) bereitgestellten Fotografien neue Einblicke in dessen Schaffen erlangen. Wir waren schon dort und haben uns einmal genauer angeschaut, womit sich Egon Eiermann (1904-1970) einen Namen gemacht hat…

Die Ausstellung – digitale Einblicke

Mit Egon Eiermann DIGITAL bekommen wir einen ganz besonderen Einblick, sowohl analog als auch digital, in die Werke Eiermanns. Die Ausstellung ist wie folgt aufgebaut: Im Foyer der BLB befinden sich mehrere große Glasvitrinen, in denen die Fotografien präsentiert werden. Außerdem befinden sich zugehörig zu jeder Vitrine eine Tablet-Station, bei der wir Eiermanns Werke genauer unter die Lupe nehmen können.

Möglich wurde die Ausstellung durch die beiden Hauptfotografen, Eberhard Troeger und Horstheinz Neuendorff, die den Architekten zu seinen Lebzeiten begleitet haben. Beide gaben nicht nur zahlreiche Abzüge, sondern auch einige Negative seiner Werke für die Öffentlichkeit frei. Die Negative sind deshalb so besonders, weil sie uns die jeweilige Architektur und ihre Umgebung ungeschönt zeigen und nicht zugeschnitten sind. So wird uns auf diesem Wege der Unterschied zwischen retuschierten und nicht retuschierten Fotografien deutlich gemacht.

Das Digitale wird in Egon Eiermann DIGITAL deshalb großgeschrieben, weil der Schwerpunkt der Ausstellung auf dem systematischen Digitalisieren und dem virtuellen Bereitstellen der über 50.000 Archivalien des Architekten liegen soll. Egon Eiermanns Schaffen soll auch heute und in Zukunft nicht in Vergessenheit geraten, das Interesse an der historischen Entwicklung des Baugeschehens soll vertieft werden und neue Ideen zu unserer gebauten Umwelt sollen entwickelt werden. Die vollständige und kontinuierliche Digitalisierung von Archivbeständen soll dabei Abhilfe schaffen. Für die Fotoausstellung Eiermanns ist das saai – neben dem Ausbau, der Archivierung und der Bearbeitung der Sammlung – dafür zuständig, die Bestände für die wissenschaftliche Forschung sowie für weitere Interessenten zur Verfügung zu stellen.

Wer war dieser Architekt?

Diese Frage wird uns gleich zu Beginn beantwortet. So erfahren wir, dass Egon Eiermann nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg bereits als junger Architekt mit seinen ersten Projekten in Berlin bekannt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er mit der Taschentuchweberei im baden-württembergischen Blumberg ein frühes architektonisches Zeichen für den modernen Wiederaufbau und wurde spätestens durch die Rekonstruktion der Kaiser-Wilhelm Gedächtnis-Kirche in Berlin in den 60er-Jahren weltweit berühmt. Da sein Architekturbüro in Beelitz im Krieg zerstört wurde, flüchtete Egon Eiermann nach Buchen (Odenwald) und lehrte ab dem Jahr 1947 als Professor für Architektur an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Bis zu seinem Tod im Jahr 1970 realisierte Eiermann weiterhin wichtige Bauten, wie beispielsweise das Abgeordnetenhaus in Bonn oder die Deutsche Botschaft in Washington und hinterließ somit eine moderne Außendarstellung der Bundesrepublik.

Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin (1963) Eiermann; saai; Foto: Horstheinz Neuendorff

Eiermanns Reisen und Begegnungen

So viel, wie Egon Eiermann damals herumgereist ist, hätte man glatt neidisch werden können. So war er zum Beispiel schon in Frankreich, Belgien, Italien oder in den USA unterwegs. Doch nicht um auf der faulen Haut zu liegen, sondern um sich für sein Schaffen inspirieren zu lassen. Besonders wertvoll waren in dem Zusammenhang auch seine Begegnungen mit anderen bedeutenden Architekten, mit denen Eiermann gemeinsam Projekte leitete. Einer seiner stärksten Verbündeten war aber der bayerische Architekt und Designer Sep Ruf. Gemeinsam errichtete das Architektenteam auf der internationalen Ausstellung "Expo 58" in Brüssel mit dem Deutschen Pavillon den ersten Repräsentationsbau der jungen Bundesrepublik. Den Pavillon könnt ihr euch mit seinen Details sowohl in der Vitrine als auch auf dem Tablet ansehen.

Außerdem haben wir einen privaten Einblick in Egon Eiermanns Reisen und Freizeitaktivitäten bekommen. Und wir kennen jetzt seine größte Leidenschaft: Segelboote und Autos.

Deutscher Pavillon auf der EXPO ‘58 in Brüssel, Eiermann und Ruf; saai; Foto: Eberhard Troeger

Verborgene Schätze: Nicht realisierte Projekte

Einen besonderen Einblick gibt uns die Ausstellung über einige von Egon Eiermanns architektonischen Entwürfen, welche allerdings nicht umgesetzt wurden. Eines dieser nicht realisierten Projekte ist der Neubau des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, für das der Architekt in den Jahren 1959/60 sogar gleich zwei Modelle kreierte: Ein Modell zeigt Umgänge mit Sonnenschutzsegeln, das andere enthält Keramikelemente. Besonders bei diesen Entwürfen können wir erkennen, wie vielfältig Eiermanns architektonische Arbeit war.

Fazit

Besonders spannend an der Ausstellung ist es, nachzuverfolgen, wie Eiermann dazu beigetragen hat, Deutschland nach dem Krieg auf moderne Weise wiederaufzubauen. Auch für Nicht-Architektur-Interessierte gibt sie die Möglichkeit, hinter die Fassade eines erfolgreichen Architekten und auf sein Schaffen zu blicken. Die Fotografien und Negative sind unverfälscht und authentisch präsentiert. Unser Fazit: Eiermann – unbedingt ansehen!

Egon Eiermann DIGITAL
Badische Landesbibliothek
07.02.2020 bis 25.04.2020