Ein Schnupperabend beim Improtheater Karlsruhe

Die Grundlagen des Improvisationstheaters kennenlernen

Let's play!

Xenia und Katja

So wie alle anderen Kultureinrichtungen zurzeit hat leider auch das Improvisationstheater Karlsruhe – kurz Improtheater – geschlossen… Doch zur Überbrückung der Wartezeit werden die Improtheater-Workshops jetzt online stattfinden! Vor ein paar Wochen, am Donnerstag, den 5. März, waren wir noch persönlich bei einem Kurs dabei und möchten unsere Erfahrungen, die wir dabei gemacht haben, nicht vorenthalten! Gerne denken wir nämlich an den Abend vor einigen Wochen zurück, an dem wir als blutige Anfänger in Sachen Theater beim Level-A-Anfänger-Kurs reinschnuppern durften. Manuel Speck, Mitbegründer des Improtheaters und Leiter des Workshops, hat uns die Grundlagen des Improvisationstheaters einmal nähergebracht…

Das Improtheater Karlsruhe

Seit seiner Gründung im Jahr 2015 hat sich beim Improvisationstheater so einiges getan! Damals trug das Improtheater noch den Namen „FEM Fatale Improtheater“ der sich aus den Anfangsbuchstaben der drei Gründer, Fabian Leven, Ekrem Emre und Manuel Speck, zusammensetzt. Das Trio hat zunächst verschiedene Improvisationsformate entwickelt und ist regelmäßig im marotte-Figurentheater aufgetreten. Nun ist das Improtheater gewachsen, besteht aus mehr als aus „FEM“, schmückt sein Logo mit einem Waschbären – Manuels Lieblingstier – und verfolgt weiterhin das Ziel, noch viel mehr Leute für das Improvisationstheater zu begeistern. Seit Februar bietet die Theatergruppe sogar Workshops an, um das Improtheater selbst ausprobieren zu können und dabei Schlagfertigkeit, Ausdruck und Gedankenschnelligkeit zu trainieren.

©Improtheater Karlsruhe; Ekrem, Manuel & Fabian in Action

©Improtheater Karlsruhe

Improtheater – wie geht das eigentlich?

Beim Improvisationstheater wird alles auf die Improvisationsfähigkeit der Schauspieler*innen gesetzt: Die Theaterstücke folgen dabei keinem vorgeschriebenen Drehbuch. Der Moment, in dem die Darsteller*innen auf der Bühne stehen, wird durch ihre improvisierten Handlungen kreiert und auf direktem Wege dem Publikum präsentiert.

Für Manuel Speck ist die Tatsache, dass er sich keinen Text lernen muss und sich nach keinem Regisseur oder keiner Regisseurin richten muss, ein entscheidender Grund, warum er Teil des Improtheaters geworden ist: „Man hat keine Ahnung, was als nächstes passiert. Es wird aus dem Stegreif gespielt… Der Abend geschieht einfach.“ Wow, wir finden das ganz schön mutig, sich auf die Bühne zu stellen und von jetzt auf gleich ein großes Publikum zu unterhalten… Das erfordert bestimmt ein ganz schön starkes Selbstbewusstsein! Als wir das im Rahmen der Vorstellungsrunde des Impro-Workshops bemerken, nickt Manuel zustimmend, sagt aber auch, dass gerade das Improtheater eine sehr gute Übung für schüchterne und zurückhaltende Menschen sei, um ihre Schlagfertigkeit zu trainieren.

©Improtheater Karlsruhe

©Improtheater Karlsruhe

Unser Schnupperabend beim Improtheater

Na, dann mal los! Gespannt betreten wir in den neuen modernen Übungsraum in der Friedenstraße mitten in der Karlsruher Innenstadt und setzen uns zu den anderen 15 Teilnehmer*innen. Offenherzig, mit jeder Menge Süßigkeiten und Tee begrüßt uns Manuel und lädt gleich zu einer kleinen Kennenlernrunde ein. Unser Anfängerkurs ist bunt gemischt: Sowohl junge Studierende als auch Familienväter, Erzieherinnen oder Frauen und Männer, die einfach ihre Schlagfertigkeit und ihr Selbstbewusstsein stärken wollen, sind dabei. Ähnlich wie wir stand noch kaum jemand auf der Bühne.

     1. Übungen zum Kennenlernen

Um sich zunächst die Namen aller Kursteilnehmer*innen auf spielerische Art und Weise merken zu können, beginnen wir mit einem Klatsch-Spiel: Nachdem wir einen Kreis gebildet haben, fängt die erste Person an, in die Richtung einer anderen Person zu klatschen und dessen Namen laut auszusprechen. Diese andere Person ist jetzt an der Reihe und sucht die nächste Person, die sie anspricht und anklatscht. Nach und nach wird die Geschwindigkeit des Anklatschens erhöht, indem eine Person in der Mitte des Kreises den „Zombie“ spielt und die Person angreift und zum nächsten „Zombie“ macht, wenn diese zu langsam reagiert. Mit dieser Übung wird unser Reaktionsvermögen trainiert und wir können uns nach und nach die Namen aller Teilnehmer*innen einprägen.

Das darauffolgende Spiel fordert noch einmal unser (Namens-)Gedächtnis heraus: Wir verteilen uns im Raum und begrüßen die nächste Person, die uns begegnet, indem wir ihr uns mit Namen vorstellen. Unser Gegenüber tut es uns gleich und sagt ebenfalls seinen Namen. Der Kniff bei dem Spiel ist, dass man den Namen, den man vorgestellt bekommt, annimmt und sich somit mit diesem neu erhaltenen Namen vorstellt. Derjenige oder diejenige, der oder die seinen eigenen Namen als Erster oder Erste wiederbekommt, hat das Spiel gewonnen. Auch bei dieser Übung sind unsere Gedankenschnelligkeit und Merkfähigkeit gefragt.

     2. Erste Improvisationsübungen

Weiter geht’s mit Übungen, die zum ersten Mal unser Improvisationsvermögen herausfordern. Langsam geht es aber erst mal mit dem Klatsch-Spiel „Zip-Zap“ los: Eine Person fängt an, in die Hände zu klatschen, dabei zeigt diese mit ihren Händen entweder auf die linke oder rechte Person neben sich. Klatscht die Person nach links, wird mit einem "Zip" kommentiert, klatscht diese nach rechts, wird mit einem "Zap" kommentiert. Der oder die "Angeklatschte" muss so schnell wie möglich auf das Klatschsignal der einen Person reagieren und den "Klatscher" nach rechts oder links weitergeben. Das Klatschen darf also auch zurückgegeben werden und die Richtung ändern. Im Laufe der Zeit wird das Tempo des Klatschens erhöht und wir geraten dabei schnell ins Stottern…

Nicht weniger knifflig ist auch das nächste Spiel, bei dem sich alles darum dreht, Assoziationen zu finden. Dabei gilt es, so schnell wie möglich und vor allem spontan zu reagieren. Die erste Person in der Runde wählt einen Begriff, wie beispielsweise „Haus“. Der oder die Nächste hat dann sofort ein Wort zu nennen, das in Verbindung mit Haus steht, wie z.B. „Dach“, usw., bis wir wieder bei der ersten Person angekommen sind. Auch bei diesem Assoziationsspiel wird wieder das Tempo erhöht. Das Spiel wird nochmals um einiges schwieriger gemacht, indem wir alle in der Runde nach jeden zwei neu genannten assoziierten Begriffen laut „Baluga“ rufen und noch dazu im Takt klatschen…Puh, das ist ganz schön viel auf einmal, Multi-Tasking ist hier auf jeden Fall gefragt!

Im Laufe des Spiels sprudelt dann schließlich das erste Wort, das uns einfällt, ganz automatisch aus uns heraus. Wir merken, dass wir es langsam immer weniger genau nehmen und uns am Ende nur noch verrückte Wörter in den Sinn kommen, dieses Spiel endet mit großem Gegacker. Das Ziel wurde aber erreicht, denn schließlich haben wir auf lustige Art und Weise improvisiert.

     3. Dinge im Raum benennen

Beim nächsten Spiel schickt uns Workshop-Leiter Manuel durch den gesamten Raum mit der Aufgabe, auf alle uns umgebenden Gegenstände zu zeigen und deren Bezeichnung auszusprechen. Wir gehen also z.B. herum, zeigen auf die Lampe und sagen dabei „Lampe“. In der zweiten Runde gehen wir erneut durch den Raum, benennen diesmal aber die Dinge anders. Z.B. zeigen wir dabei auf die Lampe, sagen aber „Hund“.  Wir merken, dass uns das schnelle und spontane Benennen von Gegenständen leichter fällt.

     4. In Zweierteams: Was machst du?

Im letzten Spiel werden wir in Zweierteams eingeteilt, bei dem Person A Person B fragt „Was machst du?“ Person B antwortet z.B. mit „Springen“. Person A wird somit aufgefordert zu springen.  Person B ist dran: „Was machst du?“ Person A antwortet „Basketball spielen.“ Daraufhin tut Person B so, als würde sie Basketball spielen. Auch bei diesem Spiel wird das Tempo erhöht, hier ist wieder Reaktionsvermögen und Spontaneität gefragt.

Mit einem Blick auf die Uhr endet leider nach diesem Spiel unser Schnupperabend beim Impro-Workshop, die anderen Kursteilnehmer*innen lassen wir weiterimprovisierend im Raum zurück. Draußen können wir durch das Fenster noch ein paar hüpfende und ulkig wackelnde Gestalten erkennen. Was von außen total verrückt und abgedreht scheint, ist jedoch in der Praxis ein Heidenspaß! Selbst wir als vorige Theater-Neulinge sind sehr begeistert vom Improvisationstheater!

Wir hatten die Möglichkeit, nach Lust und Laune draufloszuspielen, unserer Kreativität freien Lauf zu lassen! Spannend war es vor allem, zu erleben, wie verschieden jede Person bei spontanen Aktionen reagiert und zu erkennen, wie viel Spaß es machen kann, sich innerhalb einer Gruppe kreativ und interaktiv auszutoben.

Liebes Improtheater, lieber Manuel, liebe Kursgruppe, wir danken euch für diesen verrückten, lustigen Abend! Und wer weiß… vielleicht können aus uns doch noch tolle Schauspielerinnen werden!

Improtheater jetzt online kennenlernen!

In der jetzigen Zeit können müssen wir uns leider noch ein wenig gedulden, bis die Improtheater-Shows wieder fortgeführt werden können. Doch auch hier heißt es: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Wir freuen uns also auf die nächsten Shows wie auf einen improvisierten Western, Shows im Stile von Quentin Tarantino oder kurzweilige Abende mit aufregenden Kurzgeschichten, die sowohl die Künstler als auch das Publikum gemeinsam erleben können. Auch auf die nächsten Workshops, die übrigens auch in verschiedenen Leveln angeboten werden und ebenso für bereits Erfahrene in Sachen Theaterspielen geeignet sind, müssen wir noch etwas auf sich warten.

Doch für die Zwischenzeit müssen alle Improtheater-Begeisterte nicht ohne auskommen! Denn das Improtheater startet ab Donnerstag, den 9. April, einen 4-wöchigen Online-Improkurs, bei dem man von zu Hause die Kunstform des Improvisationstheaters kennenlernen kann. Diese Workshops finden nach dem Prinzip "Pay what you want" statt und kosten somit keine Teilnahmegebühr. Gerne kann aber das Improtheater mit einem Erwerb eines Gutscheins für zukünftige Auftritte, Kurse oder Workshops unterstützt werden. Alle weiteren Infos sowie nächste Online-Kurstermine gibt es auf der Homepage des Improtheaters. Wir können nur sagen: Improtheater macht echt Spaß, es lohnt sich!

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Niemand muss Kulturhunger leiden! Dass unsere Kultureinrichtungen in der Zwangspause keineswegs pausieren, sondern mehr und mehr kreative Angebote auf der digitalen Schiene aufziehen, könnt Ihr hier sehen:

www.karlsruhe-tourismus.de/smartathome/kultur 

Bleibt gesund! Reinschauen, mitmachen und Kultur tanken!