Das Kulturdenkmal Schwarzwaldhalle am Festplatz

Zur Führung

Lena

Zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses ergeben sich nicht nur in Weimar, Dessau und Berlin bemerkenswerte Eindrücke über das Wirken und Konzept der künstlerisch-handwerklichen Avantgarde. Die deutschlandweite Grand Tour der Moderne führt uns auch in die badische Kulturmetropole. Durch vielfältige Führungen wird allen Architektur-Interessierten Beeindruckendes zum wegweisenden modernen Design und zur hohen Funktionalität dieser Architektur geboten.

Neben der in den 1920er Jahren erbauten Dammerstock-Siedlung, welche von Bauhaus-Gründer Walter Gropius als federführendem Architekten verwirklicht wurde, finden sich in der Fächerstadt Karlsruhe noch zahlreiche weitere außergewöhnliche Bauwerke der Moderne. Privathäuser, Hochschulgebäude, Kirchen, das Wohnbauprojekt Alker Block sind nur ein paar Beispiele für gebaute Avantgarde in Karlsruhe. Vor allem ersichtlich wird diese durch eine Vielzahl an öffentlichen Gebäuden, wie das Bundesverfassungsgericht, das Landratsamt und die Schwarzwaldhalle.

Start

Heute hatte ich die einzigartige Chance, bei der ersten von drei Führungen der Karlsruher Stadthistorikerin Nina Rind in der Schwarzwaldhalle teilzunehmen und so zum einen die spannende Geschichte über den Bau des Kulturdenkmals mit dem Charme der 50er Jahre nachzuerleben und zum anderen das Innere des architektonisch beeindruckenden Bauwerks, das der Öffentlichkeit sonst so nicht zugänglich ist, zu bewundern.

Historischer Hintergrund und Bau

Nach nur acht Monaten Planung wurde die spektakuläre Schwarzwaldhalle am 19. August 1953 unter großer Beachtung der Öffentlichkeit eingeweiht. Günther Klotz, der erste Nachkriegsbürgermeister von Karlsruhe, setzte sich zum Ziel, die Stadt wieder trümmerfrei zu machen. Der Bevölkerung sollte außerdem nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ein Ort für Feste und Feiern zur Verfügung stehen. Mit der Schwarzwaldhalle wollte man die Menschen durch zahlreiche Tanz-, Musik- und Sportevents wieder zusammenzubringen.
Europaweit sorgte aber vor allem die Konstruktion und der Bau der Festhalle für Aufsehen, da sie die erste Halle dieser Größe mit einem geschwungenen, selbsttragenden Hängedach aus Spannbeton war. Die Schale des Dachs ist nur sechs Zentimeter dick und stellte damals eine bahnbrechende Leistung in Statik und Mechanik dar.
Erich Schelling, Karlsruhes bekanntestem Architekten der Nachkriegszeit, gelang diese beindruckende Bauweise vor allem dank er Zusammenarbeit mit Ulrich Finsterwalder, einem Münchner Bauingenieur. Für die Statikprüfung des Daches war es ihnen allerdings nicht möglich, wie üblicherweise Sand zu verwenden, da dieses keine Maschinen trägt. Aus diesem Grund wurden 200 Bauarbeiter auf das Dach geschickt. Man musste sich demnach allerdings dann doch sehr sicher gewesen sein, dass keine Einsturzgefahr bestand.

Foyer und Garderobe

Wir durchquerten zunächst einmal den Eingangsbereich und das Foyer, wo man zum einen die praktisch ausgerichtete, einklappbare Garderobe zu sehen bekommt. Zum anderen entdeckt man hier schon weitere kleine Besonderheiten an der Einrichtung und Gestaltung des Inneren der denkmalgeschützten Schwarzwaldhalle: Spiegel im 50er Jahre Stil, Belüftungslöcher in den Wänden, Wandleuchten und -uhren noch aus den 50ern.

Architektur und Technik im Festsaal

Schließlich betraten wir durch eine Glastür den großen Festsaal. Dort angekommen konnte ich nicht nur bestaunen, dass man von jedem einzelnen Blickwinkel aus uneingeschränkte Sicht auf die Bühne hat – im Inneren steht keine einzige Säule –, sondern erhielt zudem interessante Informationen über Bühnentechnik und Belüftungssystem. Scheinwerfer und weitere technische Bühnenrequisiten können von der Decke nicht getragen werden, sodass diese an separat eingebauten Trägern installiert sind. Im Sommer wird die Halle durch Grundwasser gekühlt, im Winter erwärmt. Dazu wird im Keller Luft angesaugt und durch Öffnungen an den Säulen zwischen den Fenstern in den Saal geleitet.

Schallschutz oder Offenheit und Transparenz

Die Schwarzwaldhalle ist mit ihrem frei schwebenden Dach, den 36 umlaufenden Säulenelementen und der Rhythmisierung der Fenster architektonisch also nicht nur schön anzusehen, sondern innen wie außen ein beeindruckendes Bauwerk. Insgesamt haben auf den 2.430 m² 6.000 Menschen Platz, die durch Schallschluckvorhänge beste Soundqualität genießen können. Sind die Vorhänge geöffnet, wird die Idee von Transparenz, unmittelbarer Nähe zur Natur im Stadtgarten und optimaler Anpassung der neuen Mehrzweckhalle an das Kongresszentrum erfahrbar.

Veranstaltungen

Im Saal blieben wir auch, um von Frau Rind noch Unmengen an unglaublichen Informationen zu Veranstaltungen in der Halle zu erhalten. Eröffnet wurde die Schwarzwaldhalle während der Therapiewoche, einem großen Ärztekongress, der später zur Gründung der heutigen Karlsruher Messe und Kongress GmbH führte.
In den 50er Jahren fanden hier wirklich pausenlos Veranstaltungen statt. Über mehrere Jahre hinweg wurde hier zum Beispiel der Bambi verliehen. Bei besonderen sportlichen Veranstaltungen sind die Weltmeisterschaft im Ringen oder die Europäische Meisterschaft im Rollschuhkunstlauf zu nennen.
Vor allem begeisterte aber "Holiday on  Ice" im Jahr 2003. Hierfür wurde der Hallenboden für bis zu 50 Eiskunstläufer zu einer riesigen Eisfläche und der Saal verwandelte sich in eine funkelnde Edelsteinwelt.
Von Sport über Comedy bis hin zur Musik bot und bietet die Schwarzwaldhalle aber bis heute noch für alle Interessen- und Altersgruppen Kongresse, Konzerte, Präsentationen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Bonnie Tyler, Bülent Ceylan, die Toten Hosen und Scooter hatten hier beispielsweise schon einen ihrer legendären Auftritte. Einzigartig waren auch die Blumenfrühjahrsmessen, bei denen das Innere des Festsaals ein beinahe unendliches Blumenbeet füllte.

Aftershow-Party im Keller

Auch wenn dem heute nicht mehr so ist, erkennt man an Überbleibseln einer Bar im "Bierkeller", dass hier nach den Veranstaltungen noch richtig gefeiert wurde. Leider existieren keinerlei Fotos dieser Bar, als sie noch vollständig erhalten und in Betrieb war.

Übergang zur Nancyhalle

Früher wurde der gläserne, später an die Schwarzwaldhalle angebaute Durchgang genutzt, um auch bei Regen trockenen Fußes in die Nancyhalle gelangen zu können. Auch fanden im Übergang selbst Sektempfänge statt und Cocktailbars waren dort nicht selten aufgebaut. Aufgrund von Einsturzgefahr ist das Betreten heute aber nicht mehr möglich.

Abschluss

Zusätzlich zu der Besonderheit, außerhalb von Veranstaltungen einen Blick in das beeindruckende Innere der Schwarzwaldhalle werfen zu können, habe ich durch die Führung bemerkenswerte Eindrücke aus der Baugeschichte und Architektur des Kulturdenkmals erhalten. Ihr interessiert euch für Architektur, das Bauhaus, die Moderne oder seid einfach nur fasziniert von der Chance, hinter die Kulissen der Festhalle schauen zu können? Dann solltet euch die Führung am 13. Juli oder 07. September auf keinen Fall entgehen lassen!