Was macht eigentlich...

ein Kirchenmusikdirektor?

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Jennifer · Februar 2021

Ebenso bunt wie die Karlsruher Kultur ist die Vielzahl an Berufen in der Szene - manch einer skurriler als der andere. In dieser Reihe stellen wir Euch daher Stück für Stück einige Gesichter vor, die dafür sorgen, dass Oper, Ausstellung, Aquarium und Co. so vor unseren Augen erscheinen, wie sie es tun.

#1: Was macht eigentlich... ein Kirchenmusikdirektor?

Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser

...erzählt uns, wie er in seinem jetzigen Kulturberuf gelandet ist und welche skurrilen Highlights er bisher im Job erlebt hat.

© ARTIS - Uli Deck

Sie sind von Beruf Kirchenmusikdirektor und arbeiten seit 25 Jahren für die Musik an der Ev. Stadtkirche Karlsruhe. Wie sind Sie in diesem Job gelandet?

Wie wohl die meisten Musiker, habe auch ich bereits als Kind Instrumente gespielt: Flöte, Klavier, Geige, Trompete später auch noch andere.  Mit 12 Jahren saß ich dann das erste Mal an der Orgel. Die Orgel hat mich sehr fasziniert als großes Instrument in einer großen Kirche. Das ist für ein Kind ja äußerst beeindruckend. Über die Orgel und die Ausbildung für nebenamtliche Organisten kam ich dann auch zu Chorleitung. Dann kam der Musikleistungskurs und der Wunsch, mein Hobby zum Beruf zu machen. So schloss sich - fast zwangsläufig - ein Musikstudium an. Nach einer Stelle in einer Stuttgarter Stadtrandgemeinde bin ich nun seit 25 Jahren hier als Kirchenmusikdirektor an der Ev. Stadtkirche Karlsruhe, einer wunderbaren Stelle im Herzen der Stadt!  

Was macht Ihnen in diesem Job in der Kultur besonders Spaß? Was sind die Herausforderungen?

Die Vielseitigkeit! Das ist ein unglaublich abwechslungsreicher Job, der viel Flexibilität und Spontaneität erfordert! Ein Verwaltungsmensch sagte mir einmal: „Sie haben es ja gut, Sie haben das Hobby zum Beruf“. Das stimmt eigentlich. Musik machen ist die schönste Sache der Welt. Natürlich kommen noch andere Dinge dazu: die Arbeit mit vielen Menschen. Wo gibt es das, dass Menschen von 5 bis 75 Jahren alle dasselbe machen: Singen und Musizieren. Das ist doch phantastisch! Aber auch Konzertmanagement gehört dazu. Wir haben rund 50 unterschiedliche Veranstaltungen im Jahr. Das ist eine ganze Menge. Dazu gehört Presse, Werbung, Proben, Einstudieren von Partituren, Werken, administrative Aufgaben. Arbeit in Gremien und  das Unterrichten sind ebenfalls Bestandteile der vielseitigen und abwechslungsreichen Arbeit. Eine weitere Herausforderung ist es, fit zu bleiben auf seinem Instrument. Das ist wie im Leistungssport: Man muss regelmäßig trainieren, sonst kann man das Niveau nicht halten. Regelmäßiges Trainieren erfordert viel Zeit und da ist ein sehr gutes Zeitmanagement vonnöten, um alles an einem Tag unterzubringen.

Was war bisher Ihr persönliches Highlightprojekt?

In den 25 Jahren hatte ich so viele Highlights, dass ich da unmöglich ein einziges rausgreifen kann. Mit dem Bachchor war es vermutlich ein Kooperationsprojekt mit dem Ballett des Badischen Staatstheaters: die getanzte „Johannes-Passion“ von Bach in der Stadtkirche. Da werden sich sicher noch viele daran erinnern. Mit dem CoroPiccolo, meinem Kammerchor, sind es sicher die wunderbaren Konzertreisen, die uns in viele Länder Europas geführt haben. Da waren wir uns nach jeder einzelnen Reise einig: Das war immer die schönste! Im Bereich Orgel wohl das Orgelbau-Projekt in der Kleinen Kirche, das ich von der Planung bis zur fertigen CD begleiten und durchführen durfte. Da ist etwas Großartiges entstanden!

Was wissen die meisten Menschen nicht über Ihren Beruf?

Den meisten Menschen ist nicht klar, dass man als Kirchenmusiker nicht nur sonntags die Orgel im Gottesdienst spielt und ab und an den Chor leitet, sondern dass man sehr viel Zeit am Schreibtisch, am Telefon und am PC verbringt.

Was war bisher Ihr skurrilstes, lustigstes oder erinnerungswürdigstes Erlebnis auf der Arbeit?

Durch die Arbeit mit vielen sehr unterschiedlichen Menschen erlebt man immer wieder lustige, eigenartige und skurrile Dinge. Eine Sache empfand ich erst im Nachhinein als sehr skurril: Für den Eröffnungsgottesdienst des CDU-Parteitags hatte ich die Musik zu organisieren und auch aufzuführen. Als dies mein Sohn erfuhr, wollte er gerne ein Autogramm von der Bundeskanzlerin haben. Und ich dachte: "Naja, dann gehst du kurz vor Beginn des Gottesdienstes zur Bundeskanzlerin und fragst sie einfach." Sie kam sehr spät und ich sollte eigentlich schon gleich mit der Musik beginnen, aber ich dachte, es wird schon noch reichen, und wollte schnell noch zu ihrem Platz in der ersten Reihe. Da kamen zwei sehr misstrauische Bodyguards und drängten mich zur Seite. Als ich mein Anliegen erklärte, war Frau Merkel doch so nett und mein Sohn bekam sein Autogramm.

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