Was macht eigentlich...

ein Kulturmanager beim Filmboard Karlsruhe?

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Natalie - Oktober 2021

Ebenso bunt wie die Karlsruher Kultur ist die Vielzahl an Berufen in der Szene - manch einer skurriler als der andere. In dieser Reihe stellen wir Euch daher Stück für Stück einige Gesichter vor, die dafür sorgen, dass Oper, Ausstellung, Aquarium und Co. so vor unseren Augen erscheinen, wie sie es tun.

#10: Was macht eigentlich... eine Kulturmanager beim Filmboard Karlsruhe?

Dr. Oliver Langewitz

...ist Kulturmanager und Geschäftsführender Vorstand des Filmboard Karlsruhe e.V. Was genau seinen Beruf ausmacht, erfahrt Ihr im folgenden Interview.

Dr. Oliver Langewitz, Foto: © Bernd Hentschel

Du bist von Beruf Kulturmanager und arbeitest seit 14 Jahren beim Filmboard Karlsruhe. Wie bist Du in diesem Job gelandet?

Die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg hat damals angefangen, regionale Filmcommissions zu installieren. Damals wurde diskutiert, ob unsere regionale Filmcommission in Karlsruhe oder Baden-Baden aufgebaut werden soll. Diese wurde dann zwar in die Bäder- und Touristik-GmbH in Baden-Baden integriert, allerdings haben wir 2007 parallel dazu das Filmboard Karlsruhe als Filmemacher*innen-Netzwerk gegründet. Für dieses haben wir von der Stadt eine Förderung erhalten und von da an mit der Filmcommission als Kooperationspartner zusammengearbeitet. 2008 haben wir dann unsere Geschäftsräume im Filmhaus auf dem Alten Schlachthof Karlsruhe bezogen, welches uns bis heute beheimatet. Hier wurde ich vom Verein als Geschäftsführender Vorstand beauftragt, die Geschicke der hiesigen Filmszene zu lenken und voran zu bringen. Ich bin dankbar, dass mir bis heute dieses Vertrauen geschenkt wird.

Was macht Dir an diesem Job in der Kultur besonders Spaß? Was sind die Herausforderungen?

Der Job ist unglaublich vielfältig. Ich betreue neben unseren eigenen Projekten und Veranstaltungen auch Filmproduktionen, die nach Karlsruhe kommen, um hier zu drehen. Es ist großartig, wenn wir Kino- oder TV-Produktionen ermöglichen können und hier zum Beispiel die Weichen für Drehgenehmigungen stellen oder auch Teammitglieder vermitteln. Gerade ersteres ist in Karlsruhe nicht immer einfach, da aufgrund der verschiedenen städtischen Großprojekte es doch immer wieder Situationen gab, die Dreharbeiten erschwert oder unmöglich gemacht haben. Das ist aber glücklicherweise eher selten, zumal die verschiedenen Ämter und öffentliche Stellen extrem kooperativ sind und diese in der Regel alles daransetzen, eine Produktion in Karlsruhe auch tatsächlich zu ermöglichen. Wie viele Filme und Serien so in Karlsruhe entstehen konnten, ist ab dem 5. Dezember 2021 in unserem Buch „Karlsruhe als Filmkulisse“ nachzulesen, welches ich zusammen mit Nadine Knobloch geschrieben habe und im J.S. Klotz-Verlag erscheinen wird.

Ein besonderes Highlight sind unsere jährlichen INDEPENDENT DAYS|Internationale Filmfestspiele Karlsruhe, die im Traditionskino SCHAUBURG sowie im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien stattfinden. Als Festivalleiter ist es immer wieder spannend, zusammen mit dem ehrenamtlichen Team jedes Jahr aufs Neue das Festival auf die Beine zu stellen, das Programm auszuwählen, und dann natürlich das Ganze an den fünf Festivaltagen umzusetzen und die Filmemacher und Filmemacherinnen in Karlsruhe begrüßen zu dürfen. In den letzten beiden Jahren war natürlich die größte Herausforderung, diese Veranstaltung Corona-konform umsetzen zu können mit allen Vorschriften, die hier von Landesseite vorgegeben werden.

© Fugefoto

Was war bisher Dein persönliches Highlightprojekt?

Eine schwierige Frage, da jedes Projekt für sich ganz unterschiedlich ist und mich durch seine spezifischen Besonderheiten fordert und begeistert. Eines meiner ersten dokumentarischen Filmprojekte, „The Lost Kids of Burundi“, zog mich im Jahr 2008 in das ostafrikanische Land Burundi. Die Produktion hat meine Arbeit stark geprägt, da ich dort sehr persönliche Einblicke erhalten habe, die bis heute nachklingen. Auch meine späteren Dokumentarfilmprojekte, zum Beispiel „Geschichten aus der Heimat“ oder „Alle anderen sind nicht gleich anders“, bei denen ich zahlreiche Menschen in Karlsruhe kennen gelernt habe, zu welchen ich bis heute Kontakt habe und aus denen sich Folgeprojekte entwickelt haben, müssen hier genannt werden. Ein besonders spannendes Filmprojekt, das ich betreut habe, war die Verfilmung des Flowtex-Skandals „Big Manni“.  Hierbei sollte an Originalschauplätzen, zum Beispiel in der Schmieder-Villa, gedreht werden und ich konnte die Produktion dabei erfolgreich unterstützen sowie den Kontakt zum Eigentümer herstellen. Es ist immer ein großartiges Gefühl, wenn man einen Dreh ermöglichen konnte, obwohl die Hindernisse auf dem Weg dorthin sehr groß waren.

© Fugefoto

Was wissen die meisten Menschen nicht über Deinen Beruf?

Dass man nicht in seinem Büro neben dem Telefon sitzt und Däumchen dreht, bis eine neue Produktion anruft, die man betreuen soll, sondern dass doch immer wieder jemand unangekündigt vor der Tür steht mit zum Teil absonderlichen Forderungen - zum Beispiel ein ausländischer Filmemacher, der von uns 1,5 Millionen Euro Cash für seinen Film haben wollte.

Wir sind darauf bedacht, den doch sehr attraktiven Produktionsstandort Karlsruhe deutschlandweit und auch international bekannt zu machen, sodass ich mich in verschiedenen Netzwerken engagiere, darunter zum Beispiel aktuell CinEuro, einem Kooperationsprojekt zwischen der Pamina-Region, aber auch Belgien, Luxemburg, Schweiz und Grand Est; oder der AG Kurzfilm und der AG Filmfestivals Baden-Württemberg. Wir betreiben als Filmemacher-Netzwerk auch sehr viel Kommunikationsarbeit, also Marketing und PR.

Meine Arbeit beim Filmboard ist ein Fulltime-Job, bestehend aus zahlreichen eigenen Filmprojekten, auch jenen, die ich an die Mitglieder unseres Netzwerks weitervermittle, den externen Projekten, die wir betreuen, und den vielen verschiedenen Veranstaltungsformaten, darunter Kinoprogramme, Seminare, Workshops oder Netzwerk-Treffen, die allesamt koordiniert werden müssen.

So ist mein Job sehr komplex und vielfältig und manches Mal würde ich mir wünschen, dass wir eine bessere Finanzausstattung hätten, um für manche Tätigkeiten Personal beschäftigen zu können in Bereichen wie Verwaltung, Texte erstellen und Grafik, sodass ich den Fokus noch stärker auf meine Hauptfunktion als Geschäftsführer legen könnte. 

Was auch immer wieder zu Irritationen führt, sind meine Nebentätigkeiten als Dozent an verschiedenen Hochschulen, in deren Rahmen ich aber eigentlich nur mein praktisches und theoretisches Wissen an die Studierenden vermittle und so gezielt den Nachwuchs schule, oder verschiedene Beratungstätigkeiten von externen Projekten, die sich aber ebenso stark in meine Tätigkeit als Kulturmanager einfügt. Meine Arbeit ist eben oftmals dann doch ein 24/7-Job, in gewisser Weise eben eine Berufung, in der alle Aufgaben wie ein Zahnrad ineinandergreifen.

© sul photography

Was war bisher Dein skurrilstes, lustigstes oder erinnerungswürdigstes Erlebnis auf der Arbeit?

In der Filmbranche hat man mit so vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten zu tun, dass es hier sicherlich viel zu berichten gäbe. Ich erinnere mich an eine Filmemacherin Anfang der 2000er, die mit einem Dokumentarfilm über Geisterphänomene zu Gast in Karlsruhe war und die ich beherbergte. Sie erzählte mir dann abends vor dem zu Bett gehen, dass sie regelmäßig Geistererscheinungen wahrnehmen würde und so eine Schwingung auch in meiner Wohnung spüren würde. Während sie selbst dann in aller Ruhe schlafen ging, konnte ich doch kein Auge zu tun.

Oder die junge Diplomatentochter, die von zu Hause weggelaufen war und im Catering-Bereich der INDEPENDENT DAYS auftauchte. Wir dachten alle, dass sie zu irgendeinem Film gehören würde, weil sie sich hier wie selbstverständlich bewegte, sodass wir sie als Gast unterbrachten. Dass sie nichts mit dem Festival zu tun hatte, klärte sich dann erst am nächsten Tag auf, da ihre Familie schon fieberhaft nach ihr suchte.

Eine der skurrilsten Begegnungen war auf einer Berlinale, ich glaube, es war im Jahr 2006, auf der Herrentoilette des Cinestars am Potsdamer Platz, als sich Bernd Eichinger neben mich stellte und ich ihn etwas eingeschüchtert fragte, ob er auch Filmemacher sei (ich kannte ihn wohlgemerkt, mir fiel nur nichts Besseres ein!). Er musste sehr lachen und wir sahen anschließend seinen neuen Film, der im Programm lief.

Woran ich mich im Rückblick besonders gut erinnere, ist ein Filmemacher aus Baden-Baden, der mich vor ein paar Jahren freitagmorgens anrief und meinte, dass er sofort 30.000 Euro als Zwischenfinanzierung benötigen würde, um seine „russischen Investoren“ ausbezahlen zu können, und ihm jemand gesagt habe, dass ihm da nur „Der Langewitz aus Karlsruhe“ helfen könne. Dass ich soviel Geld gar nicht auf meinem Konto verfügbar hatte, war für ihn eine Nebensächlichkeit, auch, dass ich erst einmal etwas über sein Filmprojekt erfahren wollte. Er meinte, er könne sofort nach Karlsruhe gefahren kommen und mit mir zu meiner Bank gehen, das Geld würde ich dann auch gleich in der kommenden Woche wieder zurückbekommen, gerne auch mit einem Zinssatz. Unabhängig von einer solchen Transaktion bat ich ihn dennoch, mir einmal sein Exposé und seine Kalkulation zuzumailen, eine Frage, die ich jedem Filmemacher als allererstes stelle, um auszuloten, welche Potenziale ein Projekt hat, und um zu prüfen, ob es vielleicht über andere Stellen Unterstützungsmöglichkeiten geben könnte. Er schickte mir dann ein sehr konfuses Machwerk durch, bei dem sich ein Film nicht im Ansatz erkennen ließ, was ich ihm beim anschließenden Telefonat verständlich zu machen versuchte und ihm wenig Hoffnungen machen konnte, das Geld auf anderem Wege zusammen zu bekommen. Abends erfuhr ich dann von meinem Schwiegervater, dass der Filmemacher dennoch nach Karlsruhe gefahren war und wohl vor meiner Privatwohnung stand und nach mir gesucht hatte, was mich dann doch etwas stärker besorgte, sodass ich ihm nochmals telefonisch deutlich zu verstehen gab, dass er dies doch künftig bitte unterlassen solle.

© Fugefoto

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