Was macht eigentlich...

eine Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Badischen Landesmuseum?

Zum Interview

Dirk - Januar 2022

Ebenso bunt wie die Karlsruher Kultur ist die Vielzahl an Berufen in der Szene - manch einer skurriler als der andere. In dieser Reihe stellen wir Euch daher Stück für Stück einige Gesichter vor, die dafür sorgen, dass Oper, Ausstellung, Aquarium und Co. so vor unseren Augen erscheinen, wie sie es tun.

#13: Was macht eigentlich... eine Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Badischen Landesmuseum?

Anjuli Spieker

...ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Badischen Landemuseum. Was genau ihren Beruf ausmacht, erfahrt Ihr im folgenden Interview.

Anjuli Spieker © Anjuli Spieker

Wie lange arbeitest du schon im Badischen Landesmuseum?

Ich bin im September 2020 als Projektmitarbeiterin mit einer halben Stelle für die Ausstellung „Göttinnen des Jugendstils“ ans Badische Landesmuseum gekommen. Bei der Ausstellung handelt es sich um ein Kooperationsprojekt mit dem Allard Pierson, der Universität von Amsterdam, und dem Braunschweigischen Landesmuseum. Meine Aufgabe bestand darin, zu der zunächst eher kunsthistorisch ausgerichteten Ausstellung eine sozialhistorische Begleitspur zu konzipieren.

Ab Januar 2021 kam eine zweite halbe Stelle hinzu, im Rahmen derer ich mit zwei Kolleginnen an der Entwicklung einer neuen Digitalplattform für das Badische Landesmuseum arbeiten konnte. Diese Plattform wird künftig einen erweiterten Raum für den Austausch zwischen dem Badischen Landesmuseum und den Bürger*innen der Stadt Karlsruhe bieten.

Besucherin mit Xaver ©Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Wie bist du in diesem Job gelandet?

Ich habe bereits während meines Studiums im Fach Kulturwissenschaft/Europäische Ethnologie mehrere Praktika in unterschiedlichen Kultureinrichtungen absolviert – der Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main, dem Goethe-Institut in Neu-Delhi und dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Die Museumsarbeit hat mir sehr viel Freude bereitet und so habe ich nach dem Studienabschluss ein zweijähriges Volontariat am Museum für Kommunikation in Frankfurt begonnen. Im Anschluss habe ich am gleichen Haus noch eine Weile als Ausstellungsmanagerin gearbeitet – bevor ich dann zu meinem Partner nach Karlsruhe gezogen bin und hier die Stelle am Badischen Landesmuseum angetreten habe.

App "Dein Geschenk" - vor Relief ©Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Was macht dir an diesem Job in der Kultur besonders Spaß? Was sind die Herausforderungen?

An der Tätigkeit im Museumbereich macht mir besonderen Spaß, dass man sich von Projekt zu Projekt in neue thematische Zusammenhänge „eindenkt“ und dabei immer wieder faszinierende Welten erschließen kann. Gleichzeitig liegt natürlich genau darin auch eine große Herausforderung – denn diese Faszination soll auch für spätere Besucher*innen greif- und erlebbar werden. Eine Ausstellung oder auch ein digitales Angebot sind dann besonders spannend, wenn die darin verwobenen Perspektiven möglichst viele Identifikations- und „Aha!“-Momente liefern. Es geht also darum, verständliche Geschichten mit glaubhaften Protagonist*innen zu erzählen und gleichzeitig wissenschaftlich fundierte Informationen zu vermitteln.

Selbstverständlich ist letzteres eine große Stärke des Museums - vor diesem Hintergrund genießt die Institution ja auch zurecht großes Vertrauen. Ich beobachte aber, dass es auch ein zunehmendes Bewusstsein dafür gibt, wie sehr museale Prozesse vom kollektiven Wissen der Bürgerschaft profitieren können – gerade, wenn es um aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen und Bezüge geht. Museen bieten in meinen Augen einen wunderbaren Raum, um im geschützten Rahmen über solche relevanten Fragen zu informieren und zu diskutieren. Gerade in der aktuellen angespannten Situation sind solche Räume des Austauschs unglaublich wichtig.

Ping! Die Museumsapp - Match mit Objekt ©Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Was war bisher dein persönliches Highlight-Projekt?

Es ist schwierig, ein Highlight unter den Ausstellungsprojekten zu benennen, weil sie alle so unterschiedlich und auf ihre Art jeweils für sich genommen wirkliche Highlights waren.

Eine Sonderrolle spielt für mich aber das Digitalprojekt, an dem ich im Laufe des letzten Jahres gearbeitet habe. Hier geht es um die Entwicklung einer Plattform, auf der künftig ein enger Austausch zwischen der Bürgerschaft der Stadt Karlsruhe und dem Badischen Landesmuseum stattfinden wird. Ziel ist es, interessierte Bürger*innen zur Teilhabe zu motivieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, das Landesmuseum im Herzen der Stadt durch ihre Fragen und Perspektiven mitzugestalten. Zudem soll die Plattform einen Raum bieten, um - entlang historischer Beispiele aus den Ausstellungskontexten – aktuelle gesellschaftspolitische Fragestellungen konstruktiv miteinander zu diskutieren.

In diesem Projekt konnte ich gleich drei meiner Hauptinteressen zusammenführen: Politische Bildung, Kulturvermittlung und digitale Kultur. Vor diesem Hintergrund kann man sicher von einem Highlight-Projekt meiner bisherigen Berufs-Vita sprechen.

Ping! Die Museumsapp - Chat mit einem Museumsobjekt ©Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Was wissen die meisten Menschen nicht über deinen Beruf?

Die meisten Menschen wissen nicht, wie viele Gesichter die Arbeit in einem Museum hat. Bis eine Ausstellung oder eine Website fertig ist, laufen sehr komplexe Prozesse ab und es werden Menschen mit unterschiedlichsten Expertisen eingebunden. Es dauert oft Monate, bis erste Konzepte stehen und bei der folgenden Umsetzung werden kreative Köpfe ebenso gebraucht wie handwerkliche, organisatorische und buchhalterische Fähigkeiten. Es ist immer wieder spannend und bereichernd zu beobachten, wie aus den anfänglichen Ideen und Entwürfen nach und nach eine fertige Ausstellung entsteht. Nach außen wird die Komplexität dieses Prozesses aber meist kaum oder gar nicht sichtbar.

Selfie mit Xaver ©Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Was war bisher dein skurrilstes / lustigstes / erinnerungswürdigstes Erlebnis auf der Arbeit?

Ich mag meinen Beruf unter anderem deshalb so gerne, weil er immer wieder Überraschungen bereithält und nie langweilig wird. Ein sehr erinnerungswürdiges Erlebnis war die Vorbereitung einer Ausstellung in Frankfurt, für die ein wunderbarer Konzept-Künstler bis kurz vor der Eröffnung in den Ausstellungsräumen gemalt, gesprayt, geschraubt und geklebt hat...während um ihn herum bereits letzte Vorbereitungen für den Empfang der Gäste getroffen wurden. Die Eröffnung und die Ausstellung selbst waren dann ein voller Erfolg – vielleicht, weil beides die Spontanität und Lebendigkeit der außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit widerspiegelte.

Vielen Dank Anjuli, dass du uns gezeigt hast wie facettenreich die Arbeit in einem Museum sein kann! Wir sind sehr gespannt auf deine zukünftigen Projekte.

Mehr Infos zu der Ausstellung "Göttinnen des Jugendstils", sowie der Museumsapp Ping! oder "Dein Geschenk" findet ihr auf der Homepage des Badischen Landesmuseums.