Was macht eigentlich...

eine Filmvorführerin der Kinemathek Karlsruhe?

Zum Interview

Dirk - Februar 2022

Ebenso bunt wie die Karlsruher Kultur ist die Vielzahl an Berufen in der Szene - manch einer skurriler als der andere. In dieser Reihe stellen wir Euch daher Stück für Stück einige Gesichter vor, die dafür sorgen, dass Oper, Ausstellung, Aquarium und Co. so vor unseren Augen erscheinen, wie sie es tun.

#14: Was macht eigentlich... eine Filmvorführerin der Kinemathek Karlsruhe?

Tina Guckenhan

...ist Filmvorführerin der Kinemathek Karlsruhe seit 2018. Was genau ihren Beruf ausmacht, erfahrt Ihr im folgenden Interview.

Tina Guckenhan © Kinemathek Karlsruhe

Wie bist du in diesem Job gelandet?

Nach meinem Studium an der Hochschule der Medien, Fachrichtung audiovisuelle Medien, habe ich 2011 durch einen Freund den Job als Filmvorführerin in der damals noch existierenden Kurbel bekommen. Digitale Kinotechnik hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht, es war alles analog.  Da die Kurbel und die Kinemathek im gleichen Haus waren, hatte ich auch Kontakt zu den dortigen Vorführer*innen und Mitarbeiter*innen von denen stellenweise heute noch einige in der Kinemathek arbeiten.  Nach ein paar Jahren in Berlin bin ich nach Karlsruhe zurückgekommen und arbeite nun seit 2018 als Filmvorführerin in der Kinemathek.

Was macht dir an diesem Job in der Kultur besonders Spaß? Was sind die Herausforderungen?

Da ich selbst als Kamerafrau sowie im Licht Department gearbeitet habe, finde ich es schon spannend die vielen Schritte beim Entstehen eines Filmes zu kennen und nun im letzten Abschnitt Fuß gefasst zu haben. Es gibt immer wieder Änderungen und Entwicklungen in der Technik der Digitalprojektion. Auch bei der Erstellung digitaler Filme, DCPs genannt, ändern sich hin und wieder die Standards. Es ist also wichtig, sich immer auf den neusten Stand zu bringen, auch IT Kenntnisse sind mittlerweile von Vorteil. Was es für mich in der Kinemathek so reizvoll macht, ist, dass es hier zum Glück nach wie vor möglich ist, neben digitaler Filmtechnik auch analoge Filme zu zeigen. Das ist ein ganz anderes Gefühl, einen analogen Film in der Hand zu halten, zu kontrollieren und ihn in den Projektor einzulegen. Vom Einlegen bis zum Öffnen der Lichtklappe, man ist dem Medium einfach näher. Gerade im direkten Kontakt mit Filmemacher*innen ist es immer wieder spannend über die Ideen und Umsetzungen des Filmes zu sprechen. Bei verschiedenen Formaten und künstlerischen Vorstellungen den Anspruch zu haben, den Film in bestmöglicher Qualität zeigen zu können.

Archiv Tisch analoge Filme © Kinemathek Karlsruhe

Was war bisher dein persönliches Highlight-Projekt?

Highlights sind immer wieder die unterschiedlichen Festivals, die in der Kinemathek über das Jahr verteilt stattfinden. Es kommen viel mehr Filme als gewöhnlich, die von uns alle getestet und vorbereitet werden müssen. Den Trubel empfinde ich als eine willkommene Abwechslung zum regulären Spielbetrieb. Schön sind auch Stummfilmvorführungen, die mit Live Musik begleitet werden.

Was wissen die meisten Menschen nicht über deinen Beruf?

Vielen ist nicht bewusst, dass es früher eine Ausbildung als Filmvorführer*in gegeben hat. Es wird leider übersehen wieviel Wissen man haben muss, damit Vorstellungen fehlerfrei über die Bühne gehen. Es ist eben nicht einfach nur ein „Knöpfchendrücken“, wie manche glauben.

Was war bisher dein skurrilstes / lustigstes / erinnerungswürdigstes Erlebnis auf der Arbeit?

Ich sollte auf einem Festival einen analogen Film koppeln, bei dem die einzelnen Akte extrem schlecht beziehungsweise falsch beschriftet waren und ich mir nicht sicher war, ob die Reihenfolge der einzelnen Akte so richtig war. Da sich nach Filmstart niemand beschwert hat, schien alles richtig. Erst später habe ich dann erfahren, dass man die Akte in unterschiedlicher Reihenfolge zusammen koppeln kann, es sogar gewollt ist und es den Film sozusagen ausmacht. Kommunikation ist so wichtig.

Vorführraum © Kinemathek Karlsruhe

Ein riesiges Dankeschön, dass du uns gezeigt hast was hinter den Kulissen der Kinemathek passiert. Wir wünschen Dir weiterhin viel Spaß in deinem Beruf und auch viele neue und spannende Herausforderungen.

Mehr Infos zu der Kinemathek Karlsruhe und dem Programm findet ihr hier.