Writing the History of the Future

Ein Einblick in die Sammlung des ZKM

Zur Austellung

Jennifer und Lucie

„Writing the History of the Future“ stellt rund 500 ausgesuchte Kunstwerke der kompletten Sammlung des ZKM | Zentrum für Kunst und Medien ­zur Feier des 30-Jährigen Jubiläums aus. Bei dieser Anzahl von Werken hat es uns nicht gewundert, dass die Ausstellung schon im Foyer beginnt – jedoch nicht, dass unser Guide, Chris Gerbing, zuerst direkt vor den Frauentoiletten Halt macht!

Das erste Kunstwerk, das wir uns anschauen, ist „Safe Zones No. 7“ (2002) von Jonas Dahlberg, welches eine Videoüberwachung der Toiletten im ZKM (natürlich imitierte!) darstellt. Die kleinen Glaskästen mit Kamera hängen tatsächlich direkt in den Kabinen und von außen denk man beim ersten Blick auf den Monitor, es sei eine Live-Übertragung der echten Toiletten. Da wird uns direkt klar, dass die Ausstellung nicht langweilig werden kann.

Kaum sind wir in dem Gebäudeabteil, in dem die Hauptausstellung präsentiert wird, werden wir in den Bann der medialen Kunst gezogen. Uns begrüßen fünf hohe Bildschirme, welche uns analysierten und zum Beispiel unser Geschlecht, Alter, Größe und Haarfarbe schätzen. Da müssen wir doch mal lachen, weil wir mal jünger und mal 20 Jahre älter geschätzt werden.

"Arche Noah" (1989), Nam June Paik

"Transmigración II" (1958), Wolf Vostell

Wechselbeziehungen zwischen analog und digital

Als nächstes fällt uns die „Arche Noah“ (Nam June Paik, 1989) ins Auge. Dieses Kunstwerk ist eine riesige Videoinstallation. Paiks Werk besteht aus der Hälfte eines Schiffes, welches mit Bildschirmen gefüllt und umgeben ist, auf denen immer kurze Videoausschnitte gezeigt werden.  Interessant ist auch, dass diese „Arche“ auf einem schwarz-weiß Foto des Ararats steht. Uns wird erklärt, dass immer zwei Bildschirme das gleiche Bild zeigen, als Symbole für die biblischen Arche Noah, auf welche sich die Tiere immer paarweise befanden.

„Transmigración II“ (Wolf Vostell, 1958) ist das erste Kunstwerk, welches eine traditionell künstlerische Malerei mit einem Fernseher kombiniert hat. Vostells Ziel war es, die Realität zurück ins Museum zu bringen, da seinerzeit oft gesagt wurde, dass Museen der Friedhof von Kunstwerke seien und dadurch abgeschottet von der Realität sind. Somit spielt Vostell mit Fernsehen in seinen Werken – auf denen zum Beispiel oft die neusten Nachrichten abgespielt werden –, um die Außenwelt zurück ins Museum zu führen.

In „Electric Labyrinth“ (Arata Isozaki, 1968) verlieren wir uns zwischen den sich drehenden Aluminiumplatten. Die Kombination von Geister- und Krisendarstellungen mit Fotos der Zerstörung Hiroshimas und Nagasakis durch Atombomben, die auf den Platten zu sehen sind, sowie die Bewegungen und die Reflektionen machen dieses Kunstwerk einzigartig. Man darf sogar durch die große Installation hindurchlaufen!

"Electric Labyrinth" (1968), Arata Isozaki

Zwitschernde Pflanzen und Stepptänzer

Und wer sich schon immer mal gewünscht hat, dass Pflanzen auf uns reagieren (so wie wir), wird sich sehr über das Kunstwerk daneben freuen: „Akousmaflore“ (2007). Der Künstler Scenocosme hat sich ein System ausgedacht an die echten Pflanzen auf Berührungen reagieren und dabei Naturgeräuschen entstehen.

Stefan Huenes „Tisch Tänzer“ (1988) gibt uns einen Schrecken: In einer Nische versteckt, rattert dieses interaktives mediales Kunstwerk los: Bewegt man sich vor den vier Sockeln, kommt schlagartig Bewegungen in die nur aus den Beinteilen bestehenden Gliederpuppen zu reagieren und sie fangen an zu Musik und Reden von US-amerikanischen Politikern einen Stepptanz vorzuführen – und das nicht gerade leise. Die ersten drei Beinpaare steppen zu Ausschnitten der Reden von Dwight D. Eisenhower, Lyndon B. Johnson und Jesse Jackson die über Frieden, Bürgerrechte und die verlorene Nominierung zur Präsidentschaftswahl reden.  Das vierte, unbekleidete Beinpaar übt Ballettpositionen zu Georg Friedrich Händels »Rinaldo« und Georges Bizets »Les pêcheurs de perles«. Aber sobald man still sitzt und sich keiner bewegt, stoppen die Gliederpuppen auch.  

Ein Kunstwerk, das uns alle zurück an unsere Schulzeit erinnert, ist „Die Tafel“ (1993) von Frank Fitzeck. An dieser Tafel wurde aber noch ein Monitor installiert, den man über die Tafel bewegen kann. Durch solche Tafeln haben wir alle unser Wissen schwer erlernt, und das will er auch darstellen, indem der Monitor sehr schwer zu bewegen ist und man somit dafür arbeiten muss.  Auf dem Monitor zeigen sich je nach Position immer wieder Begriffe wie „Symbol“ oder „Wort“, die aber nie ein zweites Mal an derselben Stelle stehen. Zu unserem Überraschen tauchte mittendrin auch „Schnitzel 3,50“ auf: Schnell werden wir aufgeklärt, dass die Tafel ja auch ein Begriff für das Menü in der Gastronomie ist.

"Lichtobjekt" (1973), Christian Megert

"Die Tafel“ (1993), Frank Fitzeck

Unser Fazit: Eine einzige Spielwiese

Nach der Führung gehen wir noch mal selbst auf Erkundungstour und probieren uns an VR-Installationen, optischen Täuschungen und Co.

In einem sind wir uns auf jeden Fall sicher: Wir müssen noch ein zweites Mal zur „Writing the History of the Future“-Ausstellung, denn dieses eine Mal reicht sicher nicht aus, um all die skurrilen Kunstwerke anzuschauen und auszuprobieren!

Zum Glück, ist die Ausstellung noch kostenlos bis zum Ende des Jahres ;)

Alle Infos zum ZKM-Jubiläumsausstellung findet Ihr unter www.zkm.de