Junge Frau von hinten fotografiert betrachtet ein buntes Kunstwerk und richtet ein Smartphone darauf

Interview: Benjamin Jantzen

Hinter den Kulissen der Medienkunst in Karlsruhe

von Julia Gärtner

08.09.2025

Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts!

Entdeckt in unserer neuen Reihe, was Medienkunst für die Kunstschaffenden bedeutet, was hinter den Kulissen der Medienkunststadt Karlsruhe passiert und lernt faszinierende Medienkünstler:innen kennen. Im ersten Teil der Reihe durften wir mit Benjamin Jantzen über seine Arbeit sprechen, die 2025 mit dem dm award "connecting worlds" ausgezeichnet wurde. 

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Wer bist du und was definiert deine künstlerische Praxis?

Ich arbeite an der Schnittstelle von Medienkunst, Videokunst und immersiven Rauminszenierungen. Meine Praxis ist geprägt von dem Interesse, wie digitale Bilder, Licht und Klang neue Erfahrungsräume öffnen können. Ein besonderer Fokus liegt auf Live-Cinema-Performances, Videomapping und der Kombination von KI-generierten Bildern mit realen Räumen. Neben meinen freien künstlerischen Projekten bin ich als Licht- und Videodesigner in den Bereichen Oper und zeitgenössischer Tanz tätig. Dort suche ich nach Wegen, die bildnerische und atmosphärische Dimension von Aufführungen mit neuen Technologien zu erweitern und den Bühnenraum zu transformieren. Ich suche immer nach künstlerischen Formaten, die klassische Bildmedien überschreiten und performative, ortsspezifische oder partizipative Dimensionen einschließen.

Was bedeutet Medienkunst für dich – und warum bist du in einer oder mehreren Disziplinen unter diesem Schirm tätig?

Medienkunst ist für mich ein offenes Feld, das sich zwischen Technologie, Ästhetik und gesellschaftlicher Reflexion bewegt. Sie erlaubt, aktuelle Entwicklungen – sei es KI, Augmented Reality oder immersive Bildräume – künstlerisch zu befragen und sinnlich erfahrbar zu machen. In meiner Arbeit verbinde ich die freie Medienkunst mit Bühnenerfahrung: die performativen Strategien aus Oper und Tanz treffen auf digitale Experimente im öffentlichen Raum. Diese Schnittstellen sind für mich entscheidend, weil sie die Wahrnehmung des Publikums erweitern und neue Formen der Teilhabe eröffnen.

Wie entstehen deine Werke – von der Idee bis zur Umsetzung?

Am Anfang steht oft ein Thema oder eine Fragestellung – etwa Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Entwicklungen, oder die Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Daraus entwickle ich visuelle und narrative Konzepte, die ich mit digitalen Tools wie KI-Bildgeneratoren, Mapping-Software oder Echtzeit-Videoperformance umsetze. Meine Arbeitsweise ist stark interdisziplinär: in der freien Kunst arbeite ich mit Musiker:innen, Performer:innen oder Festivals, während ich im Bühnenkontext eng mit Regie, Choreografie und Dramaturgie kooperiere. Der Prozess ist experimentell und zugleich von präziser technischer Umsetzung geprägt.

Welche Rolle spielt Karlsruhe für dich als Ort deiner künstlerischen Arbeit?

Karlsruhe ist für mich ein wichtiger Resonanzraum. Durch das ZKM, die Hochschule für Gestaltung und das dichte Netzwerk freier Initiativen gibt es hier ein einzigartiges Umfeld, um Medienkunst zu erproben und sichtbar zu machen. Auch als UNESCO City of Media Arts bietet die Stadt eine Plattform, um lokale Projekte mit internationalen Diskursen zu verbinden. Gleichzeitig profitiere ich im Bereich Bühnenarbeit von den Kooperationen mit regionalen Kulturinstitutionen, sodass sich die freie Szene und institutionelle Arbeit produktiv ergänzen.

Was möchtest du mit deiner Kunst beim Publikum auslösen, anstoßen oder hinterfragen?

Meine Arbeiten sollen Staunen, Irritation und Neugierde auslösen – und zugleich Fragen stellen: Wie formen Technologien unsere Wahrnehmung? Welche Zukunftsbilder prägen unsere Gesellschaft? Wo liegen die Grenzen zwischen real und virtuell? In Oper und Tanz suche ich nach poetischen Bildsprachen, die Emotionen verdichten, während ich im freien Kontext oft Partizipation und gesellschaftliche Themen in den Mittelpunkt stelle.

Was wäre dein Wunsch für die Medienkunst der Zukunft – lokal oder global?

Ich wünsche mir, dass Medienkunst weiterhin Räume öffnet, die jenseits von rein technischer Innovation liegen – Räume der Reflexion, der Begegnung und der gesellschaftlichen Utopien. Lokal wie global wäre mein Wunsch, dass Medienkunst stärker in den öffentlichen Raum integriert wird, nicht nur in Institutionen, sondern mitten im Alltag der Menschen – genauso selbstverständlich wie Theater oder Tanz.

Welcher ist dein Lieblingsort für Medienkunst in Karlsruhe?

Das ZKM bleibt für mich ein zentraler Ort, weil es weltweit einzigartig in seiner Sammlung und Programmatik ist. Aber genauso faszinieren mich temporäre, unerwartete Orte – wie das Karlsruher Schloss als Projektionsfläche oder urbane Räume, die durch Mapping, AR oder performative Eingriffe neu erlebbar werden.

 

le taxi pour l‘avenir heureux

Werk von Benjamin Jantzen
ausgezeichnet mit dem "connecting worlds"-Award

Noch bis 14. September im Rahmen des 
Schlosslichtspiele Light Festivals zu sehen und der Ausstellung Media art is here zu sehen

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