Gruppe CULT vor dem Karlsruher Schloss. Foto: Ginevra Bianchi

Medienkunst in Karlsruhe und Modena

Zwei UNESCO Cities of Media Arts zusammen entdecken

von Julia Gärtner

10.03.2026

Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts - Modena auch!

Weltweit tragen 27 Städte den UNESCO-Titel als Städte der Medienkunst. Dort gibt es nicht nur super viel Medienkunst zu entdecken: Auch die Vernetzung der Städte ist ganz besonders. Blanca Giménez vom Kulturamt der Stadt Karlsruhe hat sich um Austauschprojekte zwischen Karlsruhe und Modena gekümmert und berichtet auch vom neuen Stadtplan der Medienkunst.

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Was genau sind deine Aufgaben bei der UNESCO Creative City of Media Arts?  

Als Projektmanagerin berate ich Künstler:innen sowie Kultur- und Kreativschaffende zu Fördermöglichkeiten, koordiniere verschiedene Veranstaltungen und begleite Austauschprojekte. Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist es, Projekte strategisch zu planen und deren Umsetzung zu begleiten – von der ersten Idee bis zur öffentlichen Präsentation.

Kannst du kurz etwas zum Creative City Netzwerk sagen und wie die Zusammenarbeit zwischen Karlsruhe und Modena entstanden ist? Wieso ausgerechnet diese beiden Städte? 

Das UNESCO Creative Cities Network verbindet weltweit Städte, die Kultur und Kreativität als Motor für nachhaltige Stadtentwicklung verstehen. Karlsruhe und Modena gehören beide zur Sparte Media Arts und teilen ein starkes Interesse an der Verbindung von Kunst, Technologie und öffentlichem Raum. Die Zusammenarbeit ist aus dem Netzwerk heraus entstanden und hat sich schnell vertieft, da beide Städte ähnliche Fragestellungen bewegen: Wie kann Medienkunst im urbanen Raum sichtbar werden? Und wie lassen sich Bürger:innen aktiv in kreative Prozesse einbinden? Diese gemeinsamen Interessen bildeten die Grundlage für einen intensiven und fruchtbaren Austausch.

Welche Projekte gab es bisher und wie lief der Austausch bisher ab?

Ein gemeinsames Projekt war Encounter Trees, das die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Design untersuchte. Die Ausstellung war 2025 sowohl in Modena als auch in Karlsruhe zu sehen und brachte unterschiedliche Perspektiven auf Stadtentwicklung, Baumforschung und Gestaltung in einen kreativen Dialog. Ergänzt wurde das Projekt durch Workshops und interaktive Formate, die Besucher:innen aktiv einbezogen.

Ein weiteres wichtiges Projekt ist CULT, ein von der EU kofinanziertes Austauschprojekt, das kulturelles Erbe und Medienkunst miteinander verbindet. Von Oktober 2024 bis September 2025 förderte das Projekt den interkulturellen Dialog und zeigte, wie Medienkunst als kreatives Instrument für eine gemeinsame europäische Identität wirken kann. Im Frühjahr 2025 traten jeweils 25 Bürger:innen, Kunstschaffende und Kreative aus Karlsruhe und Modena in direkten Austausch. Im April reiste eine Gruppe aus Karlsruhe nach Modena, im Mai folgte der Gegenbesuch der Teilnehmenden aus Modena in Karlsruhe. In Workshops, Gesprächen und gemeinsamen Stadterkundungen entwickelten sie Ideen, wie Medienkunst im öffentlichen Raum erfahrbar gemacht werden kann, unter anderem in Form von Medienkunst-Routen.

Der Austausch war dabei geprägt von Offenheit, gegenseitigem Interesse und der spürbaren Freude am gemeinsamen Dialog. In zahlreichen Gesprächen und spontanen Begegnungen wurde deutlich, wie viel Potenzial in der Zusammenarbeit der beiden Städte steckt.

Als Ergebnis habt ihr eine gemeinsame Karte erarbeitet. Wie seid ihr auf die Idee zu diesem Projekt gekommen? 

Uns war wichtig, ein greifbares Ergebnis zu schaffen, das über den Projektzeitraum hinaus Wirkung entfaltet und für alle Bürger:innen in Karlsruhe nutzbar ist. Eine Karte bietet genau das: Sie macht Medienkunst im Stadtraum sichtbar und lädt zum Entdecken ein. Besonders spannend war dabei auch die Außenperspektive: Zu sehen, welche Orte für die Gäste aus Modena relevant sind, und diese Sichtweise wiederum in ihre Stadt zurückzutragen.

Wie wurden die Orte in der Karte ausgewählt? 

Die Auswahl entstand im gemeinsamen Austausch der Teilnehmenden aus den beiden Städten. Während der gegenseitigen Besuche in Modena und Karlsruhe entwickelten die Gruppen in Workshops und Stadterkundungen konkrete Routen zu Medienkunstorten. Herausgekommen ist eine kuratierte Auswahl kultureller Stationen, an denen Medienkunst in unterschiedlicher Form erlebt werden kann. Die Karte versteht sich als Einladung: Sie bietet eine beispielhafte Route, lässt aber bewusst Raum, eigene Orte zu ergänzen und individuelle Wege zu gehen. Eine ausführliche Version ist zudem online verfügbar.

Hast du Tipps für einen besonders spannenden Medienkunst-Spaziergang bei uns in Karlsruhe?

Das ZKM darf dabei natürlich nicht fehlen. Darüber hinaus lohnt sich ein Blick auf die vielen Off-Spaces der freien Kunstszene, die im Community Path gebündelt sind und regelmäßig Veranstaltungen anbieten. Und im Sommer empfiehlt es sich besonders, durch die Stadt zu streifen und die zahlreichen Medienkunstwerke im öffentlichen Raum zu entdecken, die jedes Jahr im Rahmen der Ausstellung Media art is here präsentiert werden.

Wo bekommt man die Karte? 

Die Karte liegt in vielen Kunst- und Kulturinstitutionen aus, die selbst Teil der Route sind, unter anderem im ZKM, im Badischen Kunstverein und in der Kinemathek. Außerdem ist sie natürlich in der Tourist-Information Karlsruhe erhältlich.

Sind noch weitere gemeinsame Projekte von Karlsruhe und Modena oder Karlsruhe mit anderen Städten geplant? 

Der Austausch geht weiter: Karlsruhe wird auch in diesem Jahr wieder am Alberi Festival in Modena teilnehmen. Darüber hinaus stehen wir weiterhin in engem Kontakt, um neue gemeinsame Projekte zu entwickeln, sowohl mit Modena als auch mit weiteren Städten im UNESCO Creative Cities Netzwerk.

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