Folge #50: Tag des offenen Denkmals
KulturTalk
KulturTalk mit Carmen Heichel
Am Tag des offenen Denkmals öffnen sich in Karlsruhe und der Region Türen, die sonst das ganze Jahr verschlossen bleiben. Rund 275 Programmpunkte und über 80 Akteur*innen laden am 13. September dazu ein, Geschichte nicht nur zu lesen, sondern zu betreten. Was den Denkmaltag ausmacht und welche Orte man sich nicht entgehen lassen sollte, hat Carmen Heichel, Projektleiterin bei der Karlsruhe Marketing und Event GmbH, Lucienne und Lena im KulturTalk verraten.
Alter Schlachthof, Foto: Karlsruhe_N. Kazakov
Magst du dich einmal kurz vorstellen und erzählen, was du bei der KME machst?
Bei der Karlsruhe Marketing und Event GmbH bin ich eine der Projektleitungen. Zu meinen Veranstaltungen gehört zum Beispiel die Winterzeit – die große Eisbahn auf dem Schlossplatz mit Stockschießen und Winterdorf, die über den ganzen Winter läuft – und natürlich der Tag des offenen Denkmals.
Für alle, die noch nie davon gehört haben: Was passiert am Tag des offenen Denkmals und warum lohnt es sich, hinter Türen zu schauen, die sonst verschlossen sind?
Der Tag des offenen Denkmals findet deutschlandweit immer am zweiten Sonntag im September statt. Die Idee dahinter: An diesem Tag sind Führungen kostenlos zugänglich, damit man ganz niederschwellig hinter Türen schauen kann, die sonst verschlossen sind. In Karlsruhe und der Kulturregion bieten weit über 80 Akteure Führungen und Programmpunkte an. Es geht darum, durch historische Orte zu führen und viel intensiver spüren zu lassen, wie es früher war, als man es über Bücher oder Fotos erfahren könnte. Die Angebote sollen dazu verführen, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen und zu schauen, welche historischen Bauwerke die Kultur und die Identität der Region geprägt haben, was sie erlebt haben und wie sich alles im Lauf der Zeit entwickelt hat. Ein Beispiel ist der ehemalige Schlachthof in Karlsruhe, der irgendwann geschlossen wurde und auf dessen Areal ein Ort für die Kultur- und Kreativwirtschaft entstanden ist: Aus ehemaligen Schlachthallen, Kühlhäusern und Ställen sind Ateliers, Werkstätten und Büros geworden. Das wird am Denkmaltag in einer Führung um 10 Uhr vermittelt.
Wie sieht der Tag in Karlsruhe aus und was erwartet die Menschen konkret, wenn sie am 13. September losziehen?
In Karlsruhe gibt es ein sehr vielfältiges Programm – die Akteure sind da sehr emsig und führen durch alle möglichen Orte und Gebäude. Zwischen 10 und 18 Uhr gibt es in der ganzen Innenstadt und in fast allen Stadtteilen Kirchen-, Museums- und Denkmalführungen, aber auch historische Stadtrundgänge. Dazu kommt ein kleines Side-Event, das in Karlsruhe aus dem Deutschen Orgeltag entstanden und anlässlich des Denkmaltags perfektioniert worden ist: der Orgelspaziergang. Zu jeder vollen Stunde findet ein kleines Orgelkonzert mit anschließender Führung statt, sodass man die Königin der Instrumente wirklich erleben und feststellen kann, welche Komplexität dahintersteckt. Orgeln sind übrigens zum Teil selbst denkmalgeschützt, weil sie so alt und so erhaltenswert sind. Es ist für jeden etwas dabei: Es gibt Führungen zu Land, zu Wasser und in der Luft. Man kann auf Türme steigen und Boote besichtigen, in der Lutherkirche führt eine kleine Fledermaus durch das Programm, im Botanischen Garten am KIT lassen sich ganz seltene Pflanzen begutachten, und Teile des Stadtorchesters untermalen das Ganze mit Denkmalmusik. Ein Highlight ist außerdem, dass der Turmberg in Durlach endlich wieder geöffnet ist – von dort hat man einen Blick über ganz Karlsruhe, das lohnt sich unbedingt. Und weil die Fülle von mittlerweile rund 275 Programmpunkten vielleicht etwas komplex wirkt, haben wir themenspezifische Routen zusammengestellt. Wer mit der Familie unterwegs ist, mag zum Beispiel die historische Spurensuche, die auch an einem denkmalgeschützten Eiscafé – das natürlich noch in Betrieb ist – und an einigen abenteuerlichen Spielplätzen vorbeiführt.
2026 ist das große Weinbrennerjahr, sein 200. Todestag. Wie spielt das mit dem Denkmaltag zusammen und kann man Orte entdecken, die direkt mit Weinbrenner zu tun haben?
Es hat sich wirklich angeboten, Weinbrenner ein besonderes Augenmerk zu widmen. Friedrich Weinbrenner war nicht nur ein bedeutender Architekt, der in Karlsruhe seinen Baustil vorangebracht und zum Beispiel unseren beeindruckenden Marktplatz als ganzes Ensemble geplant hat. Er war auch einer der ersten Denkmalschützer und hat sich dafür eingesetzt, Gebäude zu erhalten und ihre Geschichte zu bewahren. Anlässlich seines Jubiläums haben wir die Führungen mit Weinbrennerbezug zusammengestellt und sowohl in unserer kleinen Broschüre als auch auf karlsruhe-erleben.de/denkmaltag besonders herausgestellt. In der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, einem Weinbrennergebäude, gibt es die Krypta, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich ist. Dort befindet sich auch die Grablege Weinbrenners – an diesem Tag kann man sie nicht nur besichtigen, sondern bekommt auch Führungen und Erklärungen dazu. Gegenüber öffnet das Rathaus seinen Turm, auf den man steigen kann, und ein Experte erklärt auch das Innere. Dort befindet sich zum Beispiel noch ein Kerker, in dem Schüler, die sich nicht an die Regeln halten konnten, tatsächlich stunden- und wohl auch tageweise eingesperrt wurden. Ein ganz besonderes Highlight: Eine der wenigen staatlichen Münzen befindet sich in Karlsruhe – viele wissen das gar nicht. Auch sie ist in einem Weinbrennergebäude untergebracht und unter dem Jahr nicht zugänglich, weil dort noch Geld hergestellt wird. Am Denkmaltag öffnet sie, und der Leiter der Staatlichen Münze führt höchstpersönlich durch die Räumlichkeiten.
Wie läuft der Denkmaltag in der Region ab? Hast du eine Empfehlung oder ein besonderes Denkmal, das dir am Herzen liegt?
Dann werden die Wege natürlich etwas weiter. Es gibt viele kleine Gemeinden, die jeweils vielleicht nur ein Highlight bieten. Da kann man überlegen, mit dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr ein bisschen herumzufahren und sich die kleinen Ortschaften, die man sonst allenfalls vom Spazierengehen kennt, einmal unter einem anderen Aspekt anzuschauen. Und es gibt die größeren Städte – mir fallen spontan Bruchsal und Rastatt ein, beides erfahrene Anbieter von Denkmalführungen. In Bruchsal gibt es eine Vielzahl von Führungen, darunter eine Nachtwächterführung. Bruchsal ist ja auch eine viel ältere Stadt als Karlsruhe und kann deshalb noch ein bisschen tiefer in die Geschichte eintauchen. In Rastatt gibt es ebenfalls einiges zu erleben, ganz besonders aber eine Bunkerführung: Dort steht der einzige vollständig erhaltene Bunker am Oberrhein, und es wird zum Beispiel gezeigt, wie Bomben entschärft werden. Diese Führung sei den etwas Mutigeren empfohlen.
Viele junge Menschen und Studierende hören zu. Warum sollten sie sich den Denkmaltag nicht entgehen lassen und warum ist er so wichtig?
Aus unserer Sicht und aus der Sicht der Experten, die die Führungen anbieten, ist es wichtig, dass sich auch junge Menschen mit Geschichte befassen: dass sie lernen, die Vergangenheit zu verstehen und zu begreifen, warum die Welt ist, wie sie ist – und dadurch vielleicht den einen oder anderen Fehler vermeiden. Etwas leichter formuliert: Wir vermitteln Wissen über die eigene Region und die eigenen Wurzeln. Das kann das Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit stärken. Aus Sicht der Hörerinnen und Hörer lässt sich außerdem sagen, dass sehr viel Mühe darauf verwendet wird, jedes Alter zu erreichen. In der Staatlichen Kunsthalle ist das Zeichenlabor geöffnet, im historischen Depot 1913 kann man die alten Straßenbahnen besichtigen, und die Burg mitten in Karlsruhe, die manch einer als Höpfnerburg kennt, öffnet ihre Tore, sodass man in der Burg und im Burghof herumlaufen kann. Auch in der Region gibt es solche Angebote: In Rastatt lädt die Rechenmaschinenfabrik Thales zu Führungen ein, aber auch zu Videospielen zum Ausprobieren. Und in Waghäusel gibt es in der Eremitage, durch die die Erwachsenen geführt werden, für Kinder und Jugendliche eine kreativ-digitale Schnitzeljagd, die man mit dem Handy erleben kann.
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