Folge #43: Kunst erleben in den Karlsruher Galerien
KulturTalk
KulturTalk mit Yvonne Hohner
Im Kultur-Kaffeekranz Podcast informieren Julia und Lucienne über aktuelle Highlights der Kultur und interviewen spannende Menschen aus den Karlsruher Einrichtungen. Karlsruhe steckt voller Kunst! In den vielen Galerien der Stadt ist für jeden Geschmack etwas dabei, und das nicht nur für professionelle Kunstsammler:innen. Yvonne Hohner leitet nicht nur ihre eigene Galerie Yvonne Hohner Contemporary, sondern ist auch Vorsitzende des Galerienverbands. Im KulturTalk hat sie Julia und Lucienne berichtet, wie die Galerien arbeiten und was ihr dort 2026 erleben könnt.
Foto: Yvonne Hohner
Du bist Galeristin. Was genau machst du in diesem Job?
Das Schönste ist, wenn es eine neue Ausstellung gibt und Kunst ankommt und ich sie auspacke und mich daran freue. Das ist aber leider nur der geringste Teil meiner Arbeit. Meistens sitze ich am PC und erledige Administratives, das meinen Alltag bestimmt. Ich führe viele Telefonate und netzwerke.
Außerdem bist du Vorsitzende des Galerienverbands. Was ist der Verband genau?
Der Galerienverband ist in Karlsruhe der Zusammenschluss der Galerien, die regelmäßig professionelle Ausstellungen mit zeitgenössischen Künstler:innen zeigen. Wir organisieren ein oder zwei Mal im Jahr einen Galerienrundgang, bei dem die Besucher:innen eingeladen werden, von Galerie zu Galerie zu ziehen. Wir nutzen den Verband aber auch, um mit einer Stimme nach außen zu sprechen und für uns als Galerienverband Gehör zu finden, etwa beim Kulturamt oder in Arbeitskreisen, die sich mit Kultur und der Öffentlichkeit beschäftigen, und um als Teil der Stadtgesellschaft bekannter zu werden.
Was ist an der Szene in Karlsruhe besonders?
Besonders ist sicher die Durchmischung dessen, was wir zeigen. Jeder hat sein ganz eigenes Programm. Für mich als Quereinsteigerin in der Branche ist es spannend zu sehen, wie das immer auf die Persönlichkeit der einzelnen Galerist:innen zugeschnitten ist. Da spiegelt sich immer ein Stück davon im Programm wider, wofür jeweils das Herz schlägt.
Welche Eurer Aktionen ist Dir noch besonders schön in Erinnerung?
Was mich sehr beflügelt und inspiriert hat, war die erste Gallery Night, die im letzten Jahr im Rahmen der art karlsruhe stattgefunden hat. Das war ein tolles Format, weil wir über die Messe nochmal ein ganz anderes Publikum erreicht haben. Für Galeristenkolleg:innen aus ganz Deutschland war es eine tolle Gelegenheit, sich die Galerienszene in Karlsruhe anzuschauen und Kontakte zu knüpfen. Im September hatten wir dann den Galerienrundgang mit einer tollen Abschlussveranstaltung unter der Hirschbrücke, die den letzten Sommerabend 2025 wunderschön hat ausklingen lassen.
Nun steht ja auch die art karlsruhe 2026 an. Was bedeutet diese Kunstmesse für Euch als Galerien?
Ein Großteil der Galerien in Karlsruhe nimmt an der Messe teil, was sehr schön ist. Das ist für uns alle ein Event zum Netzwerken, zum Treffen von Sammler:innen oder Kurator:innen, die für ihre Museen Ausstellungen kuratieren und immer wieder auf der Suche sind nach neuen Künstler:innen und Positionen, die sich für Ihre Ausstellungen eignen.
Was gibt es 2026 von Euch konkret auf der art zu sehen?
Das sind wieder sehr spannende Positionen, die sich zum Teil durch ihre Materialität hervorheben. Es gibt Keramik im Pendant zu zarten Papierarbeiten und auch wieder gesellschaftskritisch-politische Statements von Künstlern wie Fahar Al-Salih oder Tammam Azzam. Sie sprechen auf besondere Weise die Themen an, die uns in der Welt begegnen, wenn wir die Nachrichten einschalten. Bei Fahar in der One Artist Show erwartet alle Interessierten auch eine ganz besondere Überraschung.
Muss man in Galerien denn immer gleich Kunst kaufen oder kann man auch so mal vorbeischauen?
Wir machen natürlich keine Inhaltskontrolle beim Portemonnaie am Eingang! (lacht) Es ist jede:r herzlich willkommen. Ob mit oder ohne Geld, das spielt für uns erstmal keine Rolle. Für uns ist es wichtig, dass sich Menschen für Kunst interessieren. Am Ende zeigen wir alle zeitgenössische Kunst von lebenden Künstler:innen, die gesehen werden wollen und gerne im Diskurs sind. Gerade Eröffnungen sind eine super Gelegenheit, mit Künstler:innen ins Gespräch zu kommen, die da meistens anwesend sind. Das ist das Schöne: der Austausch zwischen Studierenden, Galerist:innen und den Künstler:innen vor Ort. Wir sehen uns selbst auch als Verlängerung der Museen. Auch wir zeigen Kunst, und es muss keine:r Eintritt bezahlen.
Welche Projekte plant der Galerienverband für 2026?
Wir starten am 7. Februar im Rahmen der art karlsruhe mit einer Gallery Night. Dabei könnt ihr von 19 bis 22 Uhr die Karlsruher Galerien besuchen und dafür auch einen Shuttle benutzen, der wieder von Hirsch Reisen gesponsert wird. Moninger ist auch als Sponsor dabei, es gibt also auch ein gutes Bier zu trinken. Eine tolle Gelegenheit, sich darauf einzulassen, was es bei uns so zu sehen gibt! Im März findet ein großes Projekt meiner Galerie in Kooperation mit der Evangelischen Stadtkirche im Rahmen der Wochen gegen Rassismus statt. In der Stadtkirche ist die Installation „The Cage“ zu sehen, die aus über 600 Vogelkäfigen aufgebaut ist. Das wird eine sehr intensive Zeit. Es gibt ein Begleitprogramm mit Poetry Slam und musikalischen Abenden, dabei wird auch die Hochschule für Musik beteiligt sein. Das KIT wird sich ebenfalls mit einer Abendveranstaltung präsentieren. Der Großteil des Programms befasst sich mit dem Thema Antirassismus, was sehr spannend und aktuell ist. Während der Laufzeit kann man spenden und erhält ab einer Spende von 150€ einen Käfig mit einem Zertifikat und einem Booklet dazu, kann also ein Stück des Kunstwerks mit nach Hause nehmen. Im Laufe des Jahres wird es dann in der Südstadt immer wieder kleinere Rundgänge geben sowie den Galerienrundgang im September, zu dem wir als Verband unsere neuen Ausstellungen präsentieren.
Was muss man über die Galerien in Karlsruhe unbedingt wissen?
Kommt sie einfach besuchen! Sie sind offen für alle.
Vielen Dank...
dass Du da warst und über die Galerien berichtet hast! Wir wünschen Euch viel Erfolg für Eure Projekte.