Thumb Kultur-Kaffeekranz Folge 45

Folge #45: Die neue Ausstellung der Literarischen gesellschaft

KulturTalk

von Julia Gärtner

26.03.2026

KulturTalk mit Judith Samp

„Ich existiere nur, wenn ich schreibe“, wird die Autorin Ingeborg Bachmann im Titel der neuen Ausstellung zitiert, die die Literarische Gesellschaft aktuell im Prinz-Max-Palais zeigt. Judith Samp ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und hat Julia und Lucienne im KulturTalk berichtet, was die Autorin so besonders und die Ausstellung sehenswert macht.

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Foto: KTG Karlsruhe Tourismus GmbH

Du arbeitest für die Literarische Gesellschaft. Was ist das für eine Einrichtung?

Wir sind ein gemeinnütziger literarischer Verein, der 1924 gegründet wurde, ursprünglich um den Nachlass des Dichters Joseph Victor von Scheffel zu verwalten. Er war damals neben Goethe einer der beliebtesten Autoren. Seitdem hat sich sehr viel bei uns verändert: Wir haben sehr viele Standbeine. Am bekanntesten sind wir wohl für den Scheffelpreis, der vor allem in Baden-Württemberg für die beste Leistung im Fach Deutsch im Abitur vergeben wird. Daher sind wir auch die größte literarische Vereinigung in Mitteleuropa. Daneben veranstalten wir aber auch viele Lesungen und richten die jährlich stattfindenden Literaturtage aus. Wir geben Workshops für Kinder und Jugendliche und haben auch die Literaturzeitschrift „allmende“ seit 2003 übernommen. Ein sehr buntes Programm!

Was sind dabei Deine Aufgaben?

Wir sind ein relativ kleines Team, jede:r beteiligt sich also an allen Aufgaben. Ich betreue vor allem unsere Social Media-Kanäle und bin immer am Scheffelpreis beteiligt, das ist ein riesiges Projekt. Wir versenden jährlich 800 Urkunden. Ansonsten übernehme ich auch Lesungen und ihre Moderation und helfe bei der allmende.

Seit 8. März 2026 zeigt Ihr eine Ausstellung zu Ingeborg Bachmann. Wer war sie überhaupt?

Ingeborg Bachmann war eine Ikone der Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, so wird sie auch in der Ausstellung beschrieben. Posthum wird sie von der Forschung als eine der wichtigsten Autorinnen der Nachkriegsgeschichte eingeschätzt. Sie war gebürtige Österreicherin und hat in deutscher Sprache Texte verfasst. Der österreichische Autor Thomas Bernhardt würdigte sie als „intelligenteste und bedeutendste Dichterin, die unser Land je hervorgebracht hat“. Sie war sehr facettenreich, nämlich nicht nur eine Autorin, sondern auch Künstlerin und ein Medienstar. Sie war eine Stilikone und politisch engagiert. Besonders bekannt wurde Ingeborg Bachmann dann durch ihren Auftritt in der Gruppe 47 ab 1952, vor allem als Lyrikerin. Das war ein deutsches Schriftstellertreffen zwischen 1947 und 1967, bei dem junge Schriftsteller:innen eine Plattform für ihre Texte finden konnten. So erlangten auch viele von ihnen Bekanntheit, wie auch Ingeborg Bachmann, die 1953 den Preis der Gruppe 47 bekommen hat. Außerdem war sie sehr bekannt, weil sie unter der Frauenliteratur gefasst wird. In ihren Werken setzt sie sich viel mit der Frage nach dem weiblichen Schreiben auseinander und brachte den Feminismus voran.

Was wird in der Ausstellung genau gezeigt?

Die Ausstellung stammt vom Literaturhaus München und der Österreichischen Nationalbibliothek in Kooperation mit dem Museum für Literatur am Oberrhein, bei uns in den Räumen im Prinz-Max-Palais. Wir können dort Ingeborg Bachmann in vier Stationen durch ihr ganzes Leben verfolgen. Es beginnt mir ihrer Kindheit in Klagenfurt. Weiter geht es mit den ersten schriftstellerischen Jahren in Wien, München und Rom und mit ihrer schriftstellerisch sehr aktiven Zeit in Rom, bis zu ihrem tragischen, plötzlichen Tod.

Was findest du persönlich an der Autorin besonders spannend?

Vor zwei Jahren hatten wir ja schon eine Ausstellung zu Simone de Beauvoir. Da fand ich es ebenso spannend, dass man hinter die Kulissen schauen konnte und sehen konnte, was hinter dem Feminismus steckt, der heute noch zu spüren ist. Beide sind ja Frauenfiguren, die den Feminismus stark geprägt haben. Außerdem finde ich ihren Facettenreichtum spannend, denn man lernt sie nicht nur als Autorin kennen, sondern auch als Mensch, als Frau oder als Geliebte. Wie Briefe aus der Ausstellung beweisen, hatte sie eine Beziehung zu Paul Celan und zu Max Frisch. Sie war auch Schwester und Tochter, private Person und Person der Öffentlichkeit.

Welches ist dein Lieblingsexponat in der Ausstellung?

Ich habe mehrere Lieblingsexponate. Ich mag zum Beispiel das Faksimile ihrer Dissertation zur kritischen Aufnahme der Existenzialphilosophie Martin Heideggers, das wir in einer separaten Vitrine ausstellen. Hier wird sie als Philosophin gezeigt und als Wissenschaftlerin, die einen Doktortitel trägt und sich auf wissenschaftliche Weise mit Themen auseinandersetzt. Meiner Meinung nach wird das oft hinter Ingeborg Bachmann als Autorin vergessen. Bis heute wird ja auch der Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben, dadurch ist der Name eng mit dem Schriftstellertum verbunden.

Ihr habt zur Ausstellung auch viele begleitende Veranstaltungen geplant. Was erwartet die Besucher:innen da?

Wir haben ein rundes Programm aus Vorträgen, Filmschauen und Diskussionen entwickelt, alles rund um den Dunstkreis von Ingeborg Bachmann. Am 5. Mai 2026 wird das Biopic „Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste“ gezeigt, ein Film von Margarethe von Trotta aus 2023. Am 21. Mai 2026 findet ein Schmökerabend unter dem Motto „Schmökern im Café Raimund“ statt, weil Ingeborg Bachmann dort in Wien sehr oft anzutreffen war. Die SWR-Chefsprecherin Isabell Demey wird Auszüge aus dem Roman „Malina“ lesen, einem Teil des „Todesarten“-Projekts von Ingeborg Bachmann. An diesem Romanzyklus hat sie von den 19060ern bis zu ihrem Tod 1973 gearbeitet. Am 9. Juni folgt ein Vortrag von Dr. Gerhard Friedl über das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“. Am 2. Juli gibt es zu Abschluss eine Lesung von Dr. Andrea Stolls Biografie über Ingeborg Bachmann, „Zwei Menschen sind in mir“, anlässlich des 100. Geburtstags der Schriftstellerin.

Gibt es noch etwas, das man über die Literarische Gesellschaft sonst wissen sollte?

In unseren Räumen haben wir auch noch das Museum für Literatur am Oberrhein, das man immer besuchen kann. Das ist eine Dauerausstellung. Wer Interesse an Literatur am Oberrhein zwischen dem Mittelalter und Heute hat, kann immer gern zu den Öffnungszeiten vorbeikommen. Wir freuen uns natürlich auch jenseits der Ausstellung, wenn Menschen zu unseren Lesungen kommen.

Vielen Dank...

…dass Du bei uns warst und viel Erfolg für die Ausstellung und Eure Events!