Folge #46: Das Architekturschaufenster
KulturTalk
KulturTalk mit Stefanie Lampe
Architektur ist überall um uns herum – und deshalb betrifft sie uns alle. Wie ihr im Architekturschaufenster mehr zum Thema erfahren könnt, ganz egal, ob ihr Vorkenntnisse habt, und wieso 2026 besonders das Jubiläum des berühmten Architekten Friedrich Weinbrenner Karlsruhe prägt, hat Stefanie Lampe Julia und Lucienne im KulturTalk verraten.
Foto: KTG Karlsruhe Tourismus GmbH
Was ist das Architekturschaufenster überhaupt?
Unser Name ist Programm! Wir haben eine Ladenfläche in der Nördlichen Waldstraße gegenüber dem Badischen Kunstverein und dort auch ein großes Schaufenster zur Straße. Wir sind ein eingetragener Verein und machen in dieser Ladenfläche ca. 8-9 Ausstellungen pro Jahr und Programm mit vielen Veranstaltungen. Den Namen haben wir gewählt, weil wir möchten, dass die Leute vorbeigehen und spontan reinschauen können, wie bei einem normalen Shop, wenn Sie Spannendes entdecken.
Was sind Deine Aufgaben beim Architekturschaufenster?
Ich bin Geschäftsführerin des Vereins. Einerseits bin ich gemeinsam mit unserem Vorstand für das ganze Programm verantwortlich. Wir überlegen, welche Themen gerade interessant sind, wen wir einladen möchten oder welche Ausstellungen übernehmen oder selbst produzieren, was in der Stadt zu den Themen Architektur und Stadtplanung passiert und die Menschen interessieren könnte. Andererseits bin ich auch für alles Vereinsbürokratische verantwortlich, pflege die Mitgliedskartei und ziehe Mitgliedsbeiträge ein, was sicher nicht zu den spannendsten Dingen gehört, und stelle sicher, dass die Öffnungszeiten abgedeckt sind. Ich bin das Gesicht des Vereins nach außen.
Was genau gibt es im Architekturschaufenster zu sehen?
Das ist wahnsinnig unterschiedlich! Wir haben sehr bewusst auch im Vorstand einen Stadtplaner, einen Landschaftsarchitekten und auch Hochbauarchitekt:innen, versuchen, das ganze Spektrum der Baukultur abzudecken. Was uns noch etwas fehlt, sind Bauingenieur:innen, aber vielleicht finden sich ja noch welche! So unterschiedlich die Fachgebiete des Vorstands sind, so unterschiedlich sind auch unsere Programmpunkte. Gerade zeigen wir eine Ausstellung zum Deutschen Städtebaupreis, eine Wanderausstellung der Deutschen Akademie für Städtebau und Landschaftsplanung. Danach zeigen wir zum Schüler:innenwettbewerb „OSCAR“ mit der Architektenkammer Modelle, die Schüler:innen der ersten bis dreizehnten Klasse gebaut haben. Danach folgt eine Präsentation zu Schrift am Bau. Wir kooperieren viel mit den Studiengängen Architektur des KIT und der Hochschule, deren Fachgebiete oft bei uns Ausstellungen zeigen. So ist für alle irgendwann im Jahr etwas dabei.
Gibt es auch Angebote für Studis mit anderen Fächern als Architektur?
Bei uns ist der Eintritt grundsätzlich immer frei für alle. Sobald Licht an ist, darf man reinkommen und schnuppern. Auch alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Es gibt auch kostenlose Getränke, sodass man nach den Vorträgen noch etwas trinken und ein paar Chips snacken kann. Es gibt zwar kein Bier, aber Wein und alkoholfreie Getränke. Darüber hinaus versuchen wir auch, immer mal wieder Veranstaltungen z.B. mit Verkehrsplaner:innen oder zu KI oder Building Information Modeling, also Digitalisierung in der Architektur, anzubieten, die ein anderes Publikum ansprechen. Also gerne vorbeikommen und das Programm anschauen! Oft wird Architektur als Special Interest wahrgenommen, mit dem etwa Studierende aus dem Maschinenbau nichts zu tun hätten. Dabei leben wir ja alle in Architektur! Sie umgibt uns immer, und im Gegensatz zur Bildenden Kunst können wir ihr gar nicht entgehen. Um Architektur wahrzunehmen, müssen wir nicht in ein Museum gehen. Jede:n von uns müsste interessieren: Wie sieht unsere Stadt aus? Wie die Wohnung, in der ich lebe? Wie die Universität, in der ich mich bewege? Wenn man nachfragt, haben eigentlich auch alle eine Meinung dazu, ob ein Gebäude funktioniert oder nicht. Dann ist man mittendrin in der Diskussion.
2026 begehen wir in Karlsruhe ein besonderes Jubiläum: Es handelt sich um das 200. Todesjahr des berühmten Architekten Friedrich Weinbrenner. Was ist das Besondere an diesem Architekten?
Ich bin zwar auch keine große Weinbrenner-Expertin, aber durch das Studium und langes Leben in Karlsruhe weiß ich: Weinbrenner hat Karlsruhe, wie wir es heute wahrnehmen, maßgeblich geprägt. Bis zum Beginn seiner Tätigkeit vor rund 240 Jahren war Karlsruhe sehr klein, eine klassische Barockstadt, sehr zentriert auf die Schlossanlage. Mit Weinbrenner hat sich das geöffnet, plötzlich spielte auch die bürgerliche Stadtgesellschaft eine Rolle. Das Marktplatz-Ensemble, wie wir es heute sehen, mit der Pyramide und dem Gegenüber von Rathaus und Evangelischer Stadtkirche, geht auf Weinbrenner zurück. Wir laufen heute noch durch die Stadt, die Weinbrenner als Erweiterung des Fächers strukturiert hat, auch wenn es an vielen Stellen nicht mehr die Bauten sind.
Hast du ein Lieblingsgebäude von Weinbrenner?
Das ist eine schwierige Frage! Für mich ist es eher die Stadt als Gesamtbild, weil sie auch im Grundriss von oben betrachtet so eine besondere Figur ist. Wir alle kennen den Begriff „Fächerstadt“, so etwas gibt es woanders eigentlich nicht. Für neu Zugezogene macht es manchmal aufgrund der Schrägen die Orientierung etwas schwierig, aber es ist auch ganz spannend. Bei den einzelnen Gebäuden finde ich die katholische Stadtkirche St. Stephan wunderschön. Man muss aber dazu sagen, dass sie heute nicht mehr aussieht, wie Weinbrenner sie geplant hat. Unter Weinbrenner war sie verputzt, jetzt sieht man nur noch den Stein. Das ist es, was mir so gefällt. Eigentlich mag ich also etwas besonders, das Weinbrenner so gar nicht umgesetzt hätte.
Ist das auch das Schöne an Architektur, dass sie sich über die Zeit verändert?
Absolut! Für mich ist eine Stadt dann spannend, wenn ganz viele Epochen und Strömungen zusammenkommen und Bauten sich verändern. Manches kommt neu dazu, und auch wenn wir heutzutage nicht mehr abreißen sollten, manches wird verändert oder unseren Bedürfnissen angepasst. Dann ist es eine lebendige Stadt. Auch wenn man sich nicht mit Architektur beschäftigt, spürt man: ein Ort, an dem alles homogen aus der gleichen Zeit ist, bietet nicht so viel Reibungsfläche für uns als Menschen und als Gesellschaft wie ein Ort, an dem Vieles zusammenkommt; Gebäude aus den 1960ern neben einem aus den 1860ern und etwas ganz Neues daneben. Einfach eine spannende Mischung!
Was bietet das Architekturschaufenster zum Weinbrenner-Jubiläumsjahr an?
Wir haben eine kleine Aktion, die uns das ganze Jahr über begleitet. Im Schaufenster haben wir einen Lichtkasten, in dem normalerweise ganz langweilig unsere Öffnungszeiten zu lesen sind, der aber mit 1,80m Höhe schön groß ist. Wir dachten uns, dass wir die Fläche viel zu selten nutzen. Dort stellen wir nun das ganze Jahr über immer Orte im Früher und Heute gegenüber. Wir haben uns zwölf Orte ausgesucht, die Weinbrenner geprägt hat und in den verschiedenen Archiven historische Zeichnungen oder Fotografien angefragt. Dann haben wir sie genau so nachfotografiert und stellen jetzt gegenüber, wie die Orte in Weinbrenners Vorstellung aussahen und wie sie heute aussehen. Am Ende des Jahres, wenn alle zwölf zu sehen waren, werden auch nochmal alle gemeinsam in einer Ausstellung mit einem großen Event bei uns ausgestellt. Da alles unter dem Motto „Was würde Weinbrenner wollen?“ steht, begleiten wir das auch auf Social Media. Für die Ausstellung werden wir dann auch die Kommentare der Leser:innen und Besucher:innen versammeln, wie sich Stadt verändern muss und wie Weinbrenner es vielleicht heute gemacht hätte.
Was sollte man unbedingt über das Architekturschaufenster wissen?
Was vielleicht erst angeklungen ist, das ist, dass wir ein Verein sind. Als solcher leiden wir wie die meisten Vereine ein bisschen unter mangelnden Mitgliedern. Wir freuen uns daher, wenn jemand dazukommen möchte. Die Beteiligungsschwelle ist sehr niedrig, der Eintritt wie gesagt kostenfrei. Man kann gerne einfach vorbeikommen und sich alles anschauen. Wenn man dann merkt, dass hier eine tolle Arbeit gemacht wird, darf man gern Mitglied werden. Für Studierende gibt es dabei einen kleineren Beitrag, der für alle leistbar sein soll. Wir würden uns wahnsinnig über mehr Studierende und junge Menschen freuen, die bei uns nicht nur Mitglied sein dürfen, sondern auch gern aktiv mitarbeiten dürfen. Man muss eigentlich nur Interesse an unserer Umgebung mitbringen! Architektur geht uns alle an.
Vielen Dank...
… dass du über Eure Arbeit berichtet hast! Wir wünschen weiter viel Erfolg.