Interview: Olga Blass
Hinter den Kulissen der Medienkunst in Karlsruhe
Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts!
Entdeckt in unserer neuen Reihe, was Medienkunst für die Kunstschaffenden bedeutet, was hinter den Kulissen der Medienkunststadt Karlsruhe passiert und lernt Persönlichkeiten der Karlsruher Kunstszene kennen. Im fünftenTeil der Reihe durften wir mit Olga Blass über die art karlsruhe und die Rolle der Medienkunst auf der Kunstmesse sprechen.
Du bist Projektleiterin (bzw. kuratorisch verantwortlich) für die art karlsruhe. Was umfasst deine Arbeit konkret?
Gemeinsam mit Kristian Jarmuschek bin ich für die strategische Ausrichtung der art karlsruhe verantwortlich. Zusammen mit dem Beirat der Messe, dem Team, den Ausstellenden, Partnern und Besuchenden werten wir hierfür möglichst viele Perspektiven aus und erarbeiten die Strategien und to Dos für die Zukunft der art karlsruhe. Die eine Hälfte meines Arbeitslebens bin ich sehr viel im Kunstmarkt unterwegs. Auf vielen anderen Messen und Veranstaltungen im In- und Ausland. Die andere Hälfte bin ich als Teamleiterin, gemeinsam mit den Kolleginnen der art karlsruhe, ganz nah und ganz operativ für die Realwerdung der art karlsruhe verantwortlich. Das fängt bei A wie Auswertung an und endet kurz vor der Messe bei der Platzierung von Wänden und Steckdosen.
Was bedeutet Medienkunst für dich persönlich, wie hast du bei deiner Arbeit mit ihr zu tun und woran erkennst du „gute“ Medienkunst im Messekontext?
Die Medienkunst ist in meinem Alltag, wie die Kunst allgemein, immer präsent. Im Portfolio der Galerien, im aktuellen Diskurs, beim Besuch von Messen und Ausstellungen und besonders innerhalb der Stadt Karlsruhe, der es, mit und über das ZKM hinaus, wie ich finde, zunehmend gelingt das ganze Jahr über ein Medienkunst-Rauschen im Bewusstsein der Karlsruher zu halten. In meiner Arbeit tritt die Medienkunst immer wieder als positive Herausforderung auf. Im Rahmen der art karlsruhe gab es in der Vergangenheit unterschiedliche Sonderschauprojekte in die wir organisatorisch involviert waren. Beispielsweise 2014 die großformatigen Lichtinstallationen der Künstlerin rosalie in der Eingangshalle und der dm-arena. Als junge Messemacherin hat mich dieses Projekt sehr viel gelehrt über die Bedürfnisse und technischen Herausforderungen, die mit der Medienkunst Hand in Hand gehen können. Es hat aber auch gezeigt wie die faszinierenden Ergebnisse, mit großer Kraft, Partizipation und Betroffenheit eine Faszination unterschiedlichster Weise beim Betrachtenden auslösen.
Welche Rolle spielt Medienkunst auf Kunstmessen heute — und was sind die größten Chancen und Hürden, wenn man sie dort zeigt?
Medienkunst hat ihren festen Platz in der Gegenwartskunst. Die Präsenz auf klassischen Kunstmessen ist jedoch oftmals von den Möglichkeiten der Präsentationform und auch den merkantilen Zielen eingeschränkt. Kunstmessen sind ein Nachfragemarkt. Ohne Messeförderungen oder einem gesichert medienkunstaffinen Publikum benötigt es eine gewisse Risikobereitschaft oder Unabhängigkeit der Ausstellenden, um Medienkunst in einem größeren Rahmen zu präsentieren. Manchmal sind es aber auch ganz einfache Hürden: die Messewelt ist temporär und schnell. Für die Präsentation müssen zusätzlich zum normalen Standbau Investitionen für Stromanschlüsse, ggfs Abdunklungen oder extra Räume getätigt werden. Der Messestandnachbar ist vielleicht empfindlich gegenüber Ton und medialer Lautstärke und das Publikum ist auf einer Messe mehr unter Zeitdruck als in einer kuratierten Museumsausstellung, das bedeutet die Rezeptionszeit ist kurz, Highlights werden auch mal übersehen.
Wie sichtbar ist Medienkunst auf der art karlsruhe — und wie entscheidet ihr, welche Formate dort funktionieren?
Auf der art karlsruhe fügt sich die Medienkunst stimmig in das Programm der Galerien ein und ist damit in allen Hallen präsent. Prominente Positionen sind unter anderem bei Galerie Dorothea van der Koelen, Renate Bender oder Davis Klemm zuverlässig zu finden. Spannend ist aber auch zu sehen, wie der künstlerische Nachwuchs sich mit dem Thema auseinandersetzt. Die Künstler und Künstlerinnen des academy:squares, sind hier ein gutes Schaufenster auf der Messe.
UND als art karlsruhe in Karlsruhe, der UNESCO City of Media Arts, ist die Medienkunst vor allem dort präsent, wo sie wirklich funktioniert. Ein gutes Beispiel ist das Forum Karlsruhe mit der UNESCO City of Media Arts, wo 2026 das begehbare Medienkunstwerk Soft Utopia erstmals gezeigt wird. Formatoffenheit ist uns dabei wichtig: Ob Video, Sound oder interaktive Installationen wie in diesem Jahr. Entscheidend ist, dass das Werk überzeugt und sich sinnvoll ins Messeformat einfügt. Denn nicht jede Form von Medienkunst eignet sich per se für den Messekontext.
Die Herausforderung ist tatsächlich eine realistische Markteinschätzung: Medienkunst ist im klassischen Kunstmarkt nicht immer leicht zu vermitteln. Es gibt vergleichsweise wenige Käuferinnen und Käufer, oft fehlen die entsprechenden Rahmenbedingungen bei potenziellem Interesse.
Gerade deshalb setzen wir auf gezielte Sichtbarkeit: Medienkunst erweitert den Blick auf Gegenwartskunst und bringt wichtige Impulse mit. Sie muss allerdings ins Gesamtkonzept passen. Dort, wo uns das gelingt, schafft sie starke Impulse.
Hat sich Karlsruhe als Kunststadt für dich verändert, seit die Stadt UNESCO Creative City of Media Arts ist?
Ja, ich nehme auf jeden Fall eine Veränderung wahr, seit Karlsruhe zur UNESCO City of Media Arts ernannt wurde. Zum einen hat sich die internationale Sichtbarkeit der Stadt deutlich erhöht. Gleichzeitig ist auch das Bewusstsein innerhalb der Stadt gewachsen, nicht zuletzt durch Formate wie die Schlosslichtspiele, die ein breites Publikum erreichen. Auch die art karlsruhe trägt ihren Teil zur Wahrnehmung Karlsruhes als Kunststadt bei. Zum anderen spüren wir eine stärkere Vernetzung innerhalb der Stadt: Kultureinrichtungen, Hochschulen und Initiativen arbeiten heute enger und oft spartenübergreifend zusammen. In der Zusammenarbeit mit dem Büro UNESCO City of Media Arts gibt es immer wieder fruchtbare Schnittmengen, etwa beim Open Call "The future is today", dessen Gewinnerprojekt Soft Utopia auf der diesjährigenr art karlsruhe zu sehen sein wird. Wir sehen hier großes Potenzial für noch mehr enge, strategische Kooperation.
Was wäre dein Wunsch für die Medienkunst der Zukunft — lokal in Karlsruhe und global?
Die Medienkunst ist immer am nächsten dran an den technischen Entwicklungen ihrer Zeit und in der Auseinandersetzung mit den damit einhergehenden Herausforderungen und Fragestellungen. Wir leben in einer Zeit des Umbruchs und der Unsicherheiten: politisch, gesellschaftlich aber auch technisch. Das große Thema KI ist nur eine Komponente davon. Ich wünsche mir, dass der Diskurs der Kunstschaffenden in die Gesellschaft hineinwirkt als kritischer Spiegel und als Impulsgeber.Karlsruhe sehe ich hier in einer Vorreiterrolle. Global wünsche ich mir mehr Sichtbarkeit für vielfältige Perspektiven, insbesondere aus unterrepräsentierten Regionen – und eine Medienkunst, die kritisch, sinnlich und zugänglich bleibt.
Hast du einen Lieblingsort für Medienkunst in Karlsruhe?
Ich genieße immer besonders das Projekt "Media art is here". Mitten im Hochsommer kommt die Kunst dorthin, wo das Leben spielt: Auf Straßen, Plätzen und in Gärten. Zukunftsweisenden Medienkunstwerken, die den öffentlichen Raum neu denken und erlebbar machen – interaktiv, inspirierend und kostenlos zugänglich. Alleine aber auch gemeinsam mit der Familie macht es viel Freude die niedrigschwelligen Stationen bei einem sommerlichen Spaziergang durch die Stadt zu entdecken.