Soft Utopia

Interview: Team Soft Utopia

Hinter den Kulissen der Medienkunst in Karlsruhe

von Julia Gärtner

02.02.2026

Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts!

Entdeckt in unserer neuen Reihe, was Medienkunst für die Kunstschaffenden bedeutet, was hinter den Kulissen der Medienkunststadt Karlsruhe passiert und lernt Persönlichkeiten der Karlsruher Kunstszene kennen. Im sechsten Teil der Reihe durften wir mit dem Team Soft Utopia über ihre Arbeit sprechen, die bald auch auf der art karlsruhe 2026 zu sehen ist

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Wer seid ihr und was definiert eure künstlerische Praxis?

Wir sind eine interdisziplinäre Künstlergruppe, bestehend aus: Veronika Biebrich, visuelle Kommunikation, Verena Stella Gompf, Produktdesign, Stefan Lotze, Lichtkunst, Nikolaus Völzow, Medienkunst. Je nach Projekt arbeiten wir in verschiedenen Konstellationen zusammen. Unsere Arbeiten entstehen dabei wie Bühnenbilder: Aus Licht, Projektion und immersiver Gestaltung.

Zentrales Element unserer Medienkunst ist die Interaktion. Ohne das aktive Eingreifen des Publikums bleiben die Werke abstrakt. Erst durch die konkrete Anwendung der interaktiven Komponente entsteht das vollständige künstlerische Erlebnis, welches Raum, Licht und Projektion miteinander verbindet und die Besucher in den kreativen Prozess einbezieht.

Was bedeutet Medienkunst für euch – und warum arbeitet ihr in einer oder mehreren Disziplinen unter diesem Schirm?

Für uns ist Medienkunst ein grenzenloses Kommunikationsmittel im Raum. Medienkunst kann alle Sinne ansprechen, das Publikum aktiv einbeziehen, oder die Aufmerksamkeit auf definierte Themen und Aspekte lenken. Besonders faszinierend ist für uns der Moment, in dem sich dieses Zusammenspiel entfaltet: Wie reagiert das Publikum, wie entwickelt sich die Interaktion? Genau diese Offenheit macht Medienkunst für uns so vielseitig und spannend.

Wie entstehen eure Werke – von der Idee bis zur Umsetzung?

In unserer Arbeitsweise steht der interdisziplinäre Ansatz im Mittelpunkt: Je nach Thema ergeben sich unterschiedliche Inspirationsquellen, die unsere Projekte prägen. Wir arbeiten digital vernetzt, mit technischer Affinität und einem klaren Fokus auf das räumliche Setting. Unsere Ideen speisen sich aus einem breiten Spektrum: Kunst und Kultur, Szenografie, Fotografie oder Filme, aber auch aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen fließen in unsere Arbeit ein und formen die mediale Umsetzung.

Welche Rolle spielt Karlsruhe für euch als Ort eurer künstlerischen Arbeit?

Karlsruhe ist für uns ein zentraler Bezugspunkt – vor allem durch unsere Community und das gewachsene Netzwerk vor Ort. Mit dem ZKM verfügt die Stadt über eines der bedeutendsten Museen für Medienkunst in Europa und bietet mit Formaten wie den Schlosslichtspielen im Sommer oder der art karlsruhe im Frühjahr ein außergewöhnlich starkes kulturelles Umfeld.

Besonders prägend sind für uns die Bedingungen auf dem Areal des Alten Schlachthofs in der Karlsruher Oststadt. Seit über zehn Jahren sind wir dort ansässig und haben miterlebt, wie sich eine lebendige, vielfältige Kreativszene entwickelt hat. Diese lokale Verankerung bildet für uns die Grundlage, um nachhaltig zu arbeiten und uns zugleich über die Stadt hinaus zu vernetzen.

Was möchtet ihr mit deiner Kunst beim Publikum auslösen, anstoßen oder hinterfragen?

Unsere aktuelle Arbeit, Soft Utopia macht erfahrbar, dass Relevanz nicht abstrakt ist, sondern im eigenen Handeln entsteht. Bewegung wird zum Werkzeug, Aktion löst unmittelbar eine Reaktion aus. Die Arbeit vermittelt eine einfache, aber kraftvolle Botschaft: Du bist wichtig für unsere gemeinsame Zukunft – und durch dein Handeln kannst du sie aktiv gestalten.

In einer Zeit, in der sich viele Menschen als bedeutungslos, vergessen oder abgehängt erleben, verstehen wir Soft Utopia als bewussten Gegenentwurf. Die Installation rückt den Menschen ins Zentrum einer positiven Zukunftsvision, einer Zukunft, in der jede einzelne Person zählt und ihre eigene Wirksamkeit unmittelbar erfahren kann.

Was wäre euer Wunsch für die Medienkunst der Zukunft – lokal oder global?

Die Medienkunst der Zukunft steht vor der Aufgabe, gleichzeitig radikal vernetzt und konsequent verortet zu sein. Vernetzung darf dabei nicht als bloße technologische Infrastruktur verstanden werden, sondern als kulturelle, soziale und politisch gelebte Praxis. Globale Netzwerke eröffnen neue Formen des Austauschs, der Solidarität und der gemeinsamen Produktion von Wissen. 

Gleichzeitig verliert Medienkunst ihre kritische Kraft, wenn sie ortsunabhängig und austauschbar wird. Lokale Erdung bedeutet, auf konkrete Kontexte zu reagieren: auf soziale Realitäten, Geschichte, materielle Bedingungen und gelebte Erfahrungen. Gerade aus dieser Situiertheit heraus kann Medienkunst weitreichende Relevanz entfalten.

Die Zukunft der Medienkunst liegt daher nicht im Entweder-oder, sondern im produktiven Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne, zwischen physischer Präsenz und digitaler Leichtigkeit. Radikal vernetzt zu sein heißt, Beziehungen bewusst zu gestalten und dabei die Verantwortung gegenüber dem jeweiligen Ort, an dem Kunst entsteht und wirkt, nicht aus den Augen zu verlieren.

Hat sich eure Praxis seit dem Titel „UNESCO City of Media Arts“ verändert?

Der Titel UNESCO City of Media Arts war ein starkes Signal für Karlsruhe und die Region. Er hat die Wahrnehmung von Medienkunst in der Stadt spürbar verändert und das Interesse an interaktiven und digitalen Formaten deutlich gestärkt.

Habt ihr einen Lieblingsort für Medienkunst in Karlsruhe? 

Unser Atelier auf dem Alten Schlachthof.

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