Substance von Chiharu Koda

Interview: Chiharu Koda

Hinter den Kulissen der Medienkunst in Karlsruhe

von Julia Gärtner

06.11.2025

Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts!

Entdeckt in unserer neuen Reihe, was Medienkunst für die Kunstschaffenden bedeutet, was hinter den Kulissen der Medienkunststadt Karlsruhe passiert und lernt faszinierende Medienkünstler:innen kennen. Im dritten Teil der Reihe durften wir mit Chiharu Koda über ihre Kunst sprechen. Ihre Werke sind ab 27. November in Karlsruhe im studio hö zu sehen.

Container

Wer bist du und was definiert deine künstlerische Praxis?

Ich bin eine Medienkünstlerin, die mit Materialien arbeitet, die Zeit in sich tragen und sich im Spannungsfeld zwischen Natur und Technologie bewegen. In meiner Kindheit lebte ich in engem Kontakt mit der Natur und nahm Elemente wie Wasser, Feuer, Wind und Erde sehr intensiv körperlich wahr. Die rasche Modernisierung meiner Heimat – etwa durch Eingriffe in Flusslandschaften und neue Infrastrukturprojekte – und die darauf folgende Entvölkerung haben mein Bewusstsein für den Wandel von Material und Raum geprägt und dafür, wie solche Veränderungen auf die menschliche Wahrnehmung wirken. Diese Erfahrungen bilden die Grundlage meines räumlichen und materiellen Empfindens. In meiner Arbeit visualisiere ich die in Materialien innewohnende Zeit und Information, baue Räume aus diesen Materialien und beobachte, wie sich die Beziehung zwischen Raum und Mensch verändert. Dieser Prozess entwickelt sich von Werk zu Werk weiter. Technologie verstehe ich dabei nicht als bloßes Werkzeug, sondern als Medium, das die in den Materialien verborgenen Informationen und Zeiten übersetzt.

Was bedeutet Medienkunst für dich – und warum bist du in einer oder mehreren Disziplinen unter diesem Schirm tätig?

Für mich ist Medienkunst ein experimenteller Raum, in dem Beziehungen zwischen Mensch, Material und Umwelt immer wieder neu aufgebaut und wahrgenommen werden. Technologien wie Motoren, KI oder Sensoren verwende ich als Medien, um die in Materialien verborgenen Informationen und Zeiten zu übersetzen. Das Digitale ist heute tief in unseren Alltag eingewoben – es ist längst ein „Material“ und zugleich ein „Werkzeug“. Je nach Konzept wähle ich die passenden Materialien und Werkzeuge, um in unterschiedlichen Formaten und aus verschiedenen Perspektiven Räume und Experimente zu schaffen, die das Verhältnis zwischen Mensch, Material und Umwelt beobachten und neu erfahrbar machen.

Wie entstehen deine Werke – von der Idee bis zur Umsetzung?

Ich bin in einer von Wasser geprägten Umgebung aufgewachsen. Die Klänge, Gerüche und Erinnerungen daran bilden den Ursprung meiner künstlerischen Praxis. Ideen entstehen im Dialog mit Orten und Materialien. Ich entwickle mehrere Konzepte parallel weiter, jeweils mit unterschiedlichen Mitteln wie Skizzen oder 3D-Modellen, um räumliche Kompositionen zu erforschen. Da sich die Form meiner Arbeiten letztlich an den jeweiligen Ausstellungsraum und die Umgebung anpasst, wird der Ort selbst zu einem Teil des Werkes. In meinen Installationen und interaktiven Arbeiten entstehen neue Beziehungen zwischen Raum und Besucher:innen, und diese Erfahrungen fließen als fortlaufender Prozess in die nächsten Arbeiten ein.

Welche Rolle spielt Karlsruhe für dich als Ort deiner künstlerischen Arbeit?

Ich lebe seit über zehn Jahren in Karlsruhe. Wenn ich Zeit am Rhein oder im Schwarzwald verbringe, erinnere ich mich oft an die Flüsse und Berge meiner Kindheit. Dadurch begann ich, über die Beziehung zwischen vergangenen Empfindungen und heutigen Räumen nachzudenken. In Karlsruhe habe ich die Kultur der Medienkunst kennengelernt – ein Ort, an dem sich viele meiner bisherigen Gedanken zu einem Ganzen verbinden konnten. Diese Stadt hat mir wichtige Impulse für meine Arbeit gegeben.

Was möchtest du mit deiner Kunst beim Publikum auslösen, anstoßen oder hinterfragen?

Mit meinen Installationen möchte ich Räume schaffen, in denen Menschen neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Natur und Zivilisation erfahren können. Ich wünsche mir, dass durch zufällige Begegnungen und Gespräche in diesen Räumen ein gedanklicher und visueller Austausch entsteht – mit anderen und mit sich selbst. Diese Begegnungen sind zugleich Teil meines eigenen Prozesses, in dem ich meine Wahrnehmung und mein Verständnis von Raum immer wieder neu zusammensetze.

Was wäre dein Wunsch für die Medienkunst der Zukunft – lokal oder global?

In einer Zeit rasanter technologischer Entwicklung wünsche ich mir, dass Medien als lebendige Sprache und als Vermittler zwischen Menschen weiterbestehen. Ich hoffe, dass sie auch dort wirken können, wo der Zugang zu Kultur begrenzt ist – als Impuls für Dialoge über Länder und Regionen hinweg.

Hat sich deine Praxis verändert, seit Karlsruhe den Titel UNESCO City of Media Arts trägt?

Seit Karlsruhe City of Media Arts ist, habe ich erfahren, dass Sapporo auch eine dieser Städte ist.
Ich würde dort gerne mal ein Projekt machen.

Welcher ist dein Lieblingsort für Medienkunst in Karlsruhe?

Mein Lieblingsort für Medienkunst ist am Rhein – ich mag sowohl die industriellen Ecken als auch die Natur am Altrhein.

 

 

 

Folge Chiharu auf Instagram