Interview: Jonas Denzel
Hinter den Kulissen der Medienkunst in Karlsruhe
Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts!
Entdeckt in unserer neuen Reihe, was Medienkunst für die Kunstschaffenden bedeutet, was hinter den Kulissen der Medienkunststadt Karlsruhe passiert und lernt faszinierende Medienkünstler:innen kennen. Im viertenTeil der Reihe durften wir mit Jonas Denzel über seine Arbeit sprechen.
Wer bist du und was definiert deine künstlerische Praxis?
Hi, mein Name ist Jonas Denzel, ich bin Film- und Medienkünstler mit den Schwerpunkten Projection Mapping und Installation. Meine künstlerische Praxis definiert sich durch Projektionsarbeiten, die sich zum einen optisch der Gestalt von Objekten genau anpassen und diese verändern, entfremden und gleichzeitig mit dem Sound der Objekte spielen. Ich kreiere vor allem interaktive und partizipative Werke, wie z.B. die Arbeit hands-on (Premiere 2018 bei den Schlosslichtspielen Karlsruhe). Außerdem habe mir zum Ziel gesetzt, Kunst barrierefrei im öffentlichen Raum zugängig zu machen. Meine Erfindung des beambikes macht dies möglich.
Was bedeutet Medienkunst für dich – und warum bist du in einer oder mehreren Disziplinen unter diesem Schirm tätig?
Medienkunst bedeutet für mich: kreativ sein, experimentieren und zeigen, was mit moderner Technologie möglich ist. Technologie bekommt Gefühl und Ideen werden sichtbar. Medienkunst soll Menschen begeistern, inspirieren und überraschen. Sie ist oft partizipativ, also bezieht Betrachter:innen und Nutzer:innen mit ein. Im Bereich der Medienkunst arbeite ich in der Regel mit Videoprojektionen im öffentlichen Raum, die für alle frei zugänglich sind. Dadurch haben sie das Potenzial die Stadt bzw. den öffentlichen Raum zu bereichern.
Wie entstehen deine Werke – von der Idee bis zur Umsetzung?
Meine Inspiration nehme ich mir oft aus dem Alltag. Ich mag es alltägliche, normal erscheinende Situationen oder Dinge, in einen anderen Kontext zu bringen. Darüber hinaus sind Arbeiten von mir oft rhythmisch geprägt. Einen großen Anteil daran hat sicherlich meine Leidenschaft für Musik, insbesondere für das Schlagzeugspielen. Ich bin in einer Band hier in Karlsruhe aktiv. Musikmachen inspiriert und bringt mich auf neue Ideen. Ich experimentiere gerne, wodurch ich Neues entdecke und Unvorhersehbares entsteht.
Welche Rolle spielt Karlsruhe für dich als Ort deiner künstlerischen Arbeit?
Karlsruhe gibt meiner Arbeit Boden und Richtung. Nach vielen Auslandaufenthalten lebe ich nun wieder in meiner Heimatstadt und an Inspiration und Ideen geht es mir nicht aus. Bei den Schlosslichtspielen 2018 durfte meine Arbeit hands-on auf der Schlossfassade Premiere feiern.
In Karlsruhe habe ich die Idee des beambikes geschaffen, was perfekt zur UNESCO Creative City of Media Arts passt. Die Stadt ist bunt und vielfältig und offen für Ideen und Zusammenarbeiten. So entstand 2022 eine wundervolle Kooperation mit dem Badischen Staatstheater Karlsruhe, woraus die Arbeit Ballet of the Cities resultiert. Das Werk verbindet Bewegung und Raum, indem Tänzer:innen durch innovative Videoprojektionen Fassaden der Stadt betanzen. Die Projektionen passen sich dynamisch an die Architektur der Gebäude an und schaffen so eine harmonische Symbiose zwischen Tanz und Architektur.
Meine Heimatstadt ist für mich ein Ort, der mir Raum für Experimente lässt und zugleich Impulse gibt, die meine künstlerische Arbeit immer wieder neu ausrichten. So hatte ich dieses Jahr spannende Aufträge über die Stadt hinaus. Mit dem beambike war ich im Kontext der Eröffnungsnacht des Amsterdam Light Festivals unterwegs und ließ die Grachten Amsterdams in neuem Licht erstrahlen. Außerdem hatte meine Arbeit Echoes of Expression in Shanghai, China einen internationalen Auftritt. Im Kontext der Expo in Osaka, Japan wurde mein immersives Werk beatbox kuratiert.
Was möchtest du mit deiner Kunst beim Publikum auslösen, anstoßen oder hinterfragen?
Das Prinzip Call and Response spielt in meiner Kunst eine wichtige Rolle. Betrachter:Innen können selbst Teil der Installation werden, indem sie rhythmisch aktiv an der Komposition mitwirken. Insbesondere meine immersiven Arbeiten animieren das Publikum, in die Werke einzutauchen wodurch ein intensives Kunsterlebnis entsteht. Mit meinem beambike verfolge ich das Ziel Kunst aktiv in den öffentlichen Raum zu transportieren und ein diverses Publikum zu erreichen, das spontan interagieren kann. Insgesamt ist es mir wichtig, Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen und für alle zugängig zu machen.
Was wäre dein Wunsch für die Medienkunst der Zukunft – lokal oder global?
Dass Medienkunst mutiger und immersiver wird – global vernetzt, lokal verwurzelt und bereit ist, Grenzen zu sprengen. Die Schlosslichtspiele sind hierfür ein tolles Beispiel. Es ist für mich eine Freude, dass meine Arbeit hands-on, Jahr für Jahr wieder aufgeführt wird.
Hat sich deine Praxis verändert, seit Karlsruhe den Titel UNESCO City of Media Arts trägt?
Als Medienkünstler in der UNESCO Stadt der Medienkunst zu leben ist für mich ein Volltreffer. Durch die Fördermöglichkeiten wurden schon einige Projekte ins Leben gerufen, wie z.B. das beambike. Das beambike ist ein ausgebautes Lastenfahrrad mit Projektionstechnik, was es mir ermöglicht, flexibel Orte in Karlsruhe künstlerisch in Szene zu setzen. Durch die Fördermöglichkeiten konnte ich meine Idee des beambikes weiterentwickeln und optimieren. Das beambike ist auch über Karlsruhe hinaus unterwegs, wie z.B. im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten für Europas Kulturhauptstadt 2023 Timișoara in Rumänien.
Welcher ist dein Lieblingsort für Medienkunst in Karlsruhe?
Ich habe nicht diesen einen Lieblingsort, für mich ist es die wandelnde Stadt an sich.