Interview: Norina Quinte und Andreas Hölldorfer
Hinter den Kulissen der Medienkunst in Karlsruhe
Karlsruhe ist UNESCO Creative City of Media Arts!
Entdeckt in unserer neuen Reihe, was Medienkunst für die Kunstschaffenden bedeutet, was hinter den Kulissen der Medienkunststadt Karlsruhe passiert und lernt Persönlichkeiten der Karlsruher Kunstszene kennen. Für diesen Beitrag durften wir mit Norina Quinte und Andreas Hölldorfer sprechen.
Wer seid ihr und was definiert eure künstlerische Praxis?
Wir sind Norina Quinte und Andreas Hölldorfer, beide kommen wir aus sehr unterschiedlichen Fachbereichen. Norina aus dem kuratorischen Feld und Kunst, ich ursprünglich aus dem IT- und Wissenschaftsfeld. Wir arbeiten seit mehr als 10 Jahren gemeinsam an fachübergreifenden Kunstprojekten. Darunter z.B. die Anstoß e.V. oder später über das ato Netzwerk. Genau diese Verschmelzung verschiedener Disziplinen und Interessensfelder definiert unsere künstlerische Praxis. Wir erforschen durch und mit Kunst gesellschaftliche Phänomene, neue Materialien und Zukunftsszenarien.
Was bedeutet Medienkunst für euch – und warum seid ihr in einer oder mehreren Disziplinen unter diesem Schirm tätig?
Medienkunst heißt räumliche Erfahrung und Perspektivenvielfalt. Allerdings sehen wir “Medien” hier nicht nur primär als “etwas mit Steckdose” sondern betrachten jegliche Form von Medien, die unsere Welt und Gesellschaft prägen. Sich mit diesen Werkzeugen kritisch und ästhetisch auseinanderzusetzen und dadurch sinnlich erfahrbar zu machen, das ist für uns Medienkunst.
Wie entstehen eure Werke – von der Idee bis zur Umsetzung?
Am Anfang steht eine Idee oder eine konkrete Fragestellung. An dieser hangeln wir uns sehr dialogisch entlang, bis wir das treffende Material bzw. Medium und den passenden Ort gefunden bzw. entwickelt haben. Die Idee bestimmt die Form, die Form nimmt später Einfluss auf den Stadt- oder Ausstellungsraum.
Welche Rolle spielt Karlsruhe für euch als Ort eurer künstlerischen Arbeit?
Unsere Zusammenarbeit wurde sicherlich durch den Standort Karlsruhe geprägt. Hier begegnen sich hohe Künstler:innendichte und Technologieregion. Je länger man in Karlsruhe lebt und arbeitet, desto eher lassen sich Freiräume ausfindig machen, an denen man gemeinsam wirken kann. Sogar auf Augenhöhe, was innerhalb mancher etablierter Institutionen zwischen Kunst und Wissenschaft nicht immer möglich ist.
Was möchtet ihr mit eurer Kunst beim Publikum auslösen, anstoßen oder hinterfragen?
Es geht um Irritation ohne Schock. Humor. Zuspitzung gesellschaftlich relevanter Fragestellungen. Kritik ohne Polarisierung. Objekte und Räume schaffen, die zugänglich und offen sind, gleichzeitig auch zum Nachdenken und konzentrierten Verweilen anregen. Sobald sich jemand Gedanken gemacht hat, ist das künstlerische Ziel erreicht. Freuen oder ärgern, beides möglich, Hauptsache es wurde etwas angestoßen.
Was wäre euer Wunsch für die Medienkunst der Zukunft – lokal oder global?
Das ist eine irreführende Frage. Sie spielt etwas gegeneinander aus, das kein Widerspruch sein sollte. Gute Visionen oder künstlerische Beiträge wirken dann global, wenn sie auch lokal bzw. regional funktionieren und andersherum. Sich nur global auszurichten, wäre eine merkwürdige, publikumsorientierte Maßnahme, sich nur dem Lokalpatriotismus einzuordnen, ein ganz schön provinzieller Gedanke. Vielmehr wäre Medienkunst, bzw. jeder Form der Kunst, zu wünschen, dass sie in Zeiten restriktiver Kulturpolitik weiterhin ihre Wirkung entfalten kann und ihr demokratiefördernder Charakter gesellschaftlich anerkannt wird.
Welcher ist euer Lieblingsort für Medienkunst in Karlsruhe?
Ich denke es gibt nicht DEN Ort, wir schätzen die Szene. In punkto Medienkunst schätzen wir den öffentlichen Raum. Das Zusammenspiel der verschiedenen Charaktere macht Karslruhe zu einem Ort der Medienkunst, ob in Schaufenstern, öffentlichen Plätzen, Hinterhöfen oder dem ZKM, der Ort ist variabel, Hauptsache Kunst und Ort kommunizieren miteinander.