Folge #51: 100 Jahre GEDOK
KulturTalk
KulturTalk mit Christa Hartnigk-Kümmel
Die GEDOK feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Im KulturTalk spricht Christa Hartnigk-Kümmel, die seit 2003 Vorsitzende der GEDOK ist, über ihren Weg in den Verein, die Bedeutung von Netzwerken für Künstlerinnen und die aktuellen Ausstellungsprojekte zum Jubiläum. Außerdem geht es um die Frage, wie Ausstellungen entstehen und welche Zukunft sie sich für die GEDOK wünscht.
Foto: GEDOK Karlsruhe
Was sind deine Aufgaben bei der GEDOK und wie bist du zu dieser Tätigkeit gekommen?
Ich bin Christa Hartnigk-Kümmel und seit 2003 Vorsitzende der GEDOK. Dazu gekommen bin ich, weil ich mich schon immer für Kunst und Kultur interessiert habe, Ausstellungen besucht habe, in die Oper gegangen bin und in der Karlsruher Kulturszene unterwegs war. Auch bei Ausstellungen der GEDOK war ich schon bei Vernissagen.
Da ich selbst Musik mache – ich spiele Querflöte und Schlagzeug –, habe ich mich irgendwann als Mitglied bei der GEDOK angemeldet und wurde aufgenommen. Wie das bei einem Verein so ist: Man profitiert nicht nur vom Verein, sondern muss auch etwas für ihn tun. Ein ehrenamtlicher, gemeinnütziger Verein lebt davon.
Zunächst habe ich mich um die Pressearbeit gekümmert und sie etwas professionalisiert, später dann stärker um die Organisation. Ich habe ein großes Projekt im Rahmen des Kulturfestivals „Frauenperspektiven – Frauen im Orient, Frauen im Occident“ mit internationalen Künstlerinnen organisiert. Die Ausstellung ist bis 2008 weltweit getourt. Danach war klar, dass ich solche Projekte organisieren und stemmen kann, und so war ich ziemlich schnell Vorsitzende.
Meine Aufgaben sind sehr vielfältig. Im Prinzip muss ich mich um alles kümmern und übernehme praktisch die Geschäftsführung, weil wir leider keine Geschäftsführerin haben. Dafür fehlt uns das Geld. Die inhaltliche Arbeit übernehmen zu einem großen Teil die Fachbeirätinnen. Wir arbeiten im Vorstand zusammen; die Fachbeirätinnen für bildende Kunst, angewandte Kunst, Musik und Literatur schlagen Veranstaltungen vor und bereiten sie vor. Ich koordiniere die Abläufe, kümmere mich um die Pressearbeit und darum, dass rechtzeitig alles angefordert wird, die Einladungskarten da sind und verteilt werden. Außerdem koordiniere ich die Mitarbeiterinnen.
Für alle, die die GEDOK vielleicht noch nicht kennen: Was ist die GEDOK genau?
Die GEDOK ist die Gemeinschaft von Künstlerinnen und Kunstfördernden. Bei uns sind Künstlerinnen aller Sparten vertreten, außerdem gibt es Fördermitglieder, die uns finanziell oder durch ihre Mitarbeit unterstützen. Die GEDOK wurde 1926 von Ida Dehmel in Hamburg gegründet. Die 1920er-Jahre waren eine Zeit, in der Frauen einiges erreicht hatten: Sie durften wählen und studieren. Vorher konnten sie oft nur privaten Malunterricht nehmen und wurden abfällig als „Malweiber“ bezeichnet. Einen angemessenen Platz in der patriarchalischen Gesellschaft hatten sie trotzdem nicht, und die Kunstwelt war stark männlich dominiert.
Deshalb haben sich viele Künstlerinnen zusammengeschlossen – aus der Erkenntnis heraus: Gemeinsam erreichen wir mehr, gemeinsam sind wir stärker. Es gab zum Beispiel den Bund Künstlerinnen Württembergs und den Bund der badischen Künstlerinnen. Diese regionalen Verbände sind geschlossen in die GEDOK eingetreten, weil sie gesehen haben, dass ein überregionaler Verband wirkungsvoller sein kann. Und da sind wir bis heute.
Die GEDOK wurde gegründet, um Künstlerinnen Sichtbarkeit und bessere Rahmenbedingungen zu verschaffen. Brauchen Künstlerinnen heute noch ein eigenes Netzwerk – und wenn ja, warum?
Diese Frage wird öfter gestellt. Es gibt immer noch den Gender Pay Gap, daraus folgend auch den Gender Pension Gap und den Gender Show Gap. Frauen werden also weiterhin schlechter bezahlt, weniger gezeigt und sind in Museen und Sammlungen weniger vertreten. Für die tatsächliche Gleichstellung müssen wir deshalb immer noch kämpfen, auch wenn die formale Gleichberechtigung erreicht ist.
Die Künstlersozialkasse, in der Künstlerinnen und Künstler versichert sind, veröffentlicht meistens jedes Jahr eine Statistik. Künstler verdienen sehr wenig, und Künstlerinnen verdienen noch weniger. Das sieht man auch auf dem Kunstmarkt: Die höchsten Preise werden nach wie vor für Werke von Männern erzielt. Einige wenige Frauen haben es geschafft, an die Spitze vorzustoßen, aber im Durchschnitt ist es für Frauen und Künstlerinnen immer noch sehr schwierig.
Welche konkreten Wege gibt es, um daran etwas zu ändern? Und welche Ansätze könnten die Situation in Zukunft verbessern?
Wir bieten zunächst eine Plattform, um Künstlerinnen sichtbar zu machen. Denn wer nicht gesehen wird, wird auch nicht gewürdigt. Dann gibt es die Initiative für Ausstellungsvergütung, die Künstler und Künstlerinnen gleichermaßen betrifft. Das ist ein sehr schwieriges Thema. Die Stadt Karlsruhe findet eine Ausstellungsvergütung grundsätzlich richtig, hat dafür aber kein Geld zur Verfügung. Deshalb kann in der Regel auch keine Vergütung gezahlt werden.
Wenn wir Drittmittel einwerben, beantrage ich eine Ausstellungsvergütung natürlich mit. Dann ist das manchmal möglich.
Kannst du von aktuellen Projekten der GEDOK berichten?
Für das 100-jährige Jubiläum haben wir uns überlegt, alle unsere Sparten vorzustellen. Im Januar gab es bereits ein Konzert zu Ida Dehmel und ihrer Zeit, mit zeitgenössischen Komponistinnen aus dieser Epoche. Außerdem gibt es derzeit eine Ausstellung für angewandte Kunst im Regierungspräsidium in Karlsruhe. Beteiligt sind Künstlerinnen aus allen sechs GEDOK-Regionalgruppen in Baden-Württemberg. Sie haben das Thema „Das Ganze und die Teile“, für das die GEDOK ebenfalls steht, in ihren Werken aufgegriffen.
Im Oktober folgt die Ausstellung der bildenden Kunst „Rückschau nach vorn“ in der Orgelfabrik in Durlach. Künstlerinnen aus den Regionalgruppen in Baden-Württemberg haben sich darin mit einer historischen Frau auseinandergesetzt, die sich als Künstlerin, Kunstförderin, Journalistin oder Theatermacherin für die GEDOK eingesetzt hat. Sie greifen diese Geschichte auf und reagieren mit einer eigenen, aktuellen Position darauf.
Im Dezember gibt es außerdem eine Ausstellung mit Fotografie und Medienkunst im GEDOK Künstlerinnenforum. Die Literatur hat wieder eine interdisziplinäre Veranstaltung gemeinsam mit Musik und darstellender Kunst entwickelt. Während der Ausstellung „Rückschau nach vorn“ findet in der Orgelfabrik eine literarisch-musikalisch-szenische Performance mit dem Titel „Ida Dehmel und die vergessenen Künstlerinnen“ statt. Der Titel sagt eigentlich schon alles.
Wie entstehen die Ausstellungen bei der GEDOK?
Die Planung erfolgt mindestens ein halbes Jahr vorher. Wir stellen ein Jahresprogramm auf und schauen, wie viele Termine und welche Orte für Ausstellungen zur Verfügung stehen. Die Orgelfabrik bekommen wir zum Beispiel alle zwei Jahre; das Regierungspräsidium steht nur für besondere Veranstaltungen wie diese zur Verfügung. Im Künstlerinnenforum in der Markgrafenstraße haben wir eine Ausstellung nach der anderen. Insgesamt sind es dort ungefähr zehn Ausstellungen im Jahr, über Weihnachten gibt es keine Ausstellung.
Wenn die Termine feststehen, werden im Vorstand und im erweiterten Vorstand, also gemeinsam mit allen Fachbeirätinnen, Vorschläge gemacht. Jedes Jahr gibt es eine Fachgruppenausstellung für bildende Kunst, eine für angewandte Kunst und eine für Fotografie und Medienkunst. Außerdem gibt es im Januar die Veranstaltungen „Auftakt 1“ und „Auftakt 2“, oft mit Gästen aus der Hochschule für Gestaltung und der Hochschule für Musik und in Zukunft vielleicht auch von der Kunstakademie Karlsruhe. Dafür laden wir Studierende ein und bieten ihnen an, unser Forum für ihre Werke zu nutzen.
Im Sommer zeigen wir häufig Arbeiten von Diplomandinnen in Zusammenarbeit mit Professorinnen der Hochschule für Gestaltung. Professorin Fischbeck und Professorin Kriemann schlagen uns geeignete Studierende vor, die dann bei uns ausstellen können. Die übrigen Termine schreiben wir für Einzel- oder Zweierausstellungen aus. Künstlerinnen können sich bewerben, und wir schauen, was zeitlich passt und welche Vorschläge sich für das Programm eignen.
Außerdem bekommen wir immer wieder Vorschläge für internationale Ausstellungen. Die großen Kulturfestivals „Frauenperspektiven“ und „Europäische Kulturtage“ gibt es leider nicht mehr. Damals haben wir internationale Gäste eingeladen. Fast jedes Jahr kommen aber Gäste aus Partnerstädten, vor allem bei Jubiläen von Städtepartnerschaften. Dazu kommen Künstlerinnen aus anderen Ländern, zum Beispiel aus Polen, Tschechien oder der Slowakei. Manchmal schlägt auch eine Künstlerin eine gemeinsame Ausstellung mit einer Kollegin aus Belarus oder Litauen vor. Wenn wir den Vorschlag gut finden, machen wir das – dann müssen wir nur noch das Geld dafür auftreiben. Das ist meistens die größte Schwierigkeit: Die Ideen haben wir, aber für die Realisierung braucht man auch Geld.
Was sollten Karlsruher:innen über die GEDOK wissen, was vielleicht vielen noch unbekannt ist?
Unsere Galerie liegt ziemlich zentral in der Markgrafenstraße, an der Ecke zur Fritz-Erler-Straße, und ist sehr gut mit der Straßenbahn zu erreichen. Die Haltestelle Kronenplatz ist nur wenige Meter entfernt, und direkt nebenan gibt es ein Parkhaus. Vom Marktplatz aus kann man in wenigen Minuten zu Fuß zu uns kommen, zum Beispiel, wenn man ohnehin in der Stadt unterwegs ist.
Wir haben mittwochs bis sonntags geöffnet: Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 17 bis 19 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 14 bis 16 Uhr. Andere Ausstellungsbesuchszeiten können vereinbart werden, wenn man vorher anruft, zum Beispiel mit einer Gruppe oder mit Freundinnen. Wir sind da sehr flexibel und freuen uns über Besucher:innen.
Die GEDOK blickt in diesem Jahr auf 100 Jahre zurück. Was wünschst du dir für ihre Zukunft?
Eigentlich wünsche ich mir, dass die GEDOK überflüssig ist – wenn Künstlerinnen ihren Platz gefunden haben, ausreichend verdienen und all die Probleme, über die wir gesprochen haben, überwunden sind. Aber das wird in den nächsten Jahren und wahrscheinlich auch Jahrzehnten nicht passieren. Wenn man sieht, wie lange der Weg von den Kämpfen der Suffragetten über das Frauenwahlrecht bis zur Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz gedauert hat, und wie viel in anderen Ländern noch zu tun ist, wird klar: Auch in Westeuropa liegt noch einiges im Argen. Im weltweiten Vergleich geht es uns zwar relativ gut, aber nur dank der beharrlichen Kämpfe von Frauen.
Vielen Dank...
… dass du über Deine Arbeit berichtet hast! Wir wünschen weiter viel Erfolg.