Folge #44: Das Kunstmuseum Karlsruhe
KulturTalk
KulturTalk mit Dr. Stefanie Patruno
Im Kultur-Kaffeekranz Podcast informieren Julia und Lucienne über aktuelle Highlights der Kultur und interviewen spannende Menschen aus den Karlsruher Einrichtungen. „Willkommen im Kunstmuseum Karlsruhe!“ heißt es seit Februar 2026. Die ehemalige Städtische Galerie trägt seither einen neuen Namen. Wieso das genau nötig wurde, welches spannende Programm Euch dort erwartet und wie das Kunstmuseum Karlsruhe in Zukunft arbeiten möchte? Im KulturTalk hat Direktorin Stefanie Patruno Julia und Lucienne darüber berichtet.
Foto: ARTIS - Uli Deck
Du leitest das Kunstmuseum Karlsruhe. Was ist das Kunstmuseum Karlsruhe überhaupt?
Das Kunstmuseum Karlsruhe ist das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst der Stadt. Wir zeigen Kunst des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart mit einem besonderen Schwerpunkt auf Malerei und Fotografie. Unsere Sammlung umfasst insgesamt rund 20.000 Arbeiten. Unsere historischen Bestände verbinden wir ganz bewusst mit zeitgenössischer Kunst. Es geht bei uns nicht nur darum, Kunst anzuschauen, sondern um Dialoge zwischen Vergangenheit und Gegenwart, um aktuelle Themen und gesellschaftliche Fragen. Unser Museum liegt im Hallenbau, das ist eine ehemalige Munitionsfabrik, ein altes Industriegebäude direkt neben dem ZKM | Zentrum für Kunst und Medien und der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, also mitten in einem sehr lebendigen kulturellen Umfeld. Wir als Kunstmuseum Karlsruhe verstehen uns als Ort für alle, der neugierig auf Kunst machen soll, egal ob man regelmäßig ins Museum kommt oder zum allerersten Mal.
Wieso wurde die ehemalige Städtische Galerie in Kunstmuseum Karlsruhe umbenannt?
Die Umbenennung ist für uns kein Neuanfang, sondern vielmehr eine Klarstellung. Der neue Name bringt barrierearm und für alle sofort verständlich auf den Punkt, was unser Haus seit langer Zeit auszeichnet. Wir arbeiten seit vielen Jahren wie ein Museum mit einer großen Sammlung, mit Forschung, mit einem breiten Vermittlungsangebot, mit internationalen Kooperationen. Der frühere Name hat all das nicht mehr ganz abgebildet. Wir bewegen uns damit auch in einer gewissen Tradition: Viele andere Städtische Galerien haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten umbenannt. Bekannte Beispiele sind die Kunstmuseen in Bonn und Stuttgart, aber auch kleinere Häuser in der Region wie das Kunstmuseum Ravensburg haben diesen Weg beschritten. Der Name Kunstmuseum Karlsruhe macht deutlicher, was wir sind: Ein Museum mit eigener Sammlung und einer klaren fachlichen Ausrichtung. Wir bleiben aber, was wir sind und zeigen im Inneren unseres Hauses das, was wir in den letzten Jahren gemacht haben.
Was gibt es aktuell im Kunstmuseum Karlsruhe zu sehen?
Aktuell zeigen wir mehrere ganz unterschiedliche Ausstellungen gleichzeitig. Im Zentrum steht „Update! Die Sammlung neu sichten“ mit den Schätzen unserer Sammlung im Fokus, die wir regelmäßig neu präsentieren. Dabei geht es uns darum, dass historische Werke in den Dialog mit zeitgenössischer Kunst treten. Daneben zeigen wir aktuell eine Große Sonderausstellung mit einem zeitgenössischen Künstler:innenduo, Özlem Günyol und Mustafa Kunt. Sie pendeln zwischen Frankfurt und Istanbul und haben bei uns ihre erste große Einzelausstellung in Deutschland unter dem Titel „RATATATA“. Die beiden beschäftigen sich vor allem mit Fragen von Identität: Wer bin ich? Wer sind wir?, aber auch mit Fragen von Macht und wie sie mit Symbolen präsentiert wird. Ein Beispiel ist, dass sie sich angeschaut haben, wie verschiedene Nationen überall auf der Welt miteinander in Wettstreit treten, wer den größten Fahnenmast der Welt hat. Aktuell ist das Kairo in Ägypten mit über 200 Metern. Die Fahnenmasten von überall her haben die beiden so klein gemacht, dass sie auf unsere Ausstellungswand passen.
Was erwartet die Besucher:innen 2026 noch im Kunstmuseum Karlsruhe?
2026 wird ein sehr spannendes Jahr für uns! Im Zentrum steht eine umfassende Präsentation aus unserer Sammlung mit Papierarbeiten, Grafiken und Zeichnungen von Dürer über Rembrandt bis Rudolf Schlichter. Hier breiten wir unsere Schätze aus, die seit vielen Jahren nicht zu sehen waren. Gleichzeitig zeigen wir eine internationale Fotografie-Ausstellung mit dem großen Dokumentarfotografen Martin Parr, der mit scharfem Blick und sehr viel Humor Absurditäten des täglichen Lebens herauskitzelt. Eine Retrospektive in dieser Bandbreite ist in Deutschland sicher noch nicht gezeigt worden. Es werden knapp 400 Arbeiten zu sehen sein.
Im Kunstmuseum Karlsruhe kann man nicht nur Kunst anschauen, sondern auch viele Events besuchen. Welche Pläne habt Ihr in diesem Bereich?
Veranstaltungen sind ein ganz wichtiger Teil unserer Museumsarbeit. Wir bieten klassische Führungen, aber auch viele besondere Angebote an. Aktuell gibt es etwa die Känguru-Tours, bei denen Eltern mit ihren Babys ins Museum kommen können. Es gibt die Kunsthäppchen am Nachmittag und die Kinderwerkstatt am Sonntag. Dazu kommen viele andere Formate, zum Beispiel ein Künstler:innengespräch mit Özlem Günyol und Mustafa Kunt am 12. April am letzten Ausstellungstag, sozusagen als Finissage. Die beiden werden nicht nur aus dem Nähkästchen plaudern und ihre Arbeiten in der Ausstellung vorstellen, wir werden auch eine tolle Performance im Haus haben.
Gibt es auch Angebote speziell für Studis?
Auf jeden Fall! Da würde ich die ARTtoNight empfehlen, die zwei Mal im Jahr stattfindet, das nächste Mal am 18. Juni 2026 ab 19 Uhr. Da können alle Studierenden (oder darüber hinaus) nachts ins Museum kommen, wir haben bis Mitternacht geöffnet. Es gibt DJ-Musik vor Ort, Kurzführungen und eine tolle Cocktail-Mischung der Bar Santos. Das ist ein ganz besonderes Angebot, nicht nur, weil man während der Schließzeiten zu uns kommen kann, sondern weil man mit einem Drink in der Hand in einen ganz lebendigen Austausch miteinander kommt. Man kann tanzen, aber auch in unser Ausstellungsprogramm hineinschnuppern. Ein weiteres tolles Angebot gibt es bei uns immer freitags ab 14 Uhr. Da ist der Eintritt nämlich kostenfrei. Bis zum 12. April kann man dann nicht nur die Ausstellungen anschauen, sondern auch die fünf Meter hohe Kletterwand besteigen, die Özlem Günyol und Mustafa Kunt mitten im Museum im Lichthof aufgebaut haben.
Wie möchtet ihr das Kunstmuseum Karlsruhe in Zukunft weiterentwickeln?
Wir möchten uns weiter als offenen und lebendigen Ort entwickeln. Wir möchten noch viel stärker den Kontakt mit Studierenden oder mit der Stadtgesellschaft suchen und Kooperationen mit anderen Institutionen stärken. Unser Ziel ist es, ein lebendiges Museum für alle zu sein. Ich glaube, es lohnt sich auf jeden Fall bei uns vorbeizukommen, weil es immer etwas Anderes zu sehen gibt und weil wir versuchen, mit allen Besuchenden in einen regen Austausch zu kommen. Wir freuen uns!
Vielen Dank...
dass du bei uns warst und über das Kunstmuseum berichtet hast! Wir wünschen Euch für die vielfältigen spannenden Projekte viel Erfolg.