Folge #47: Das Klötzle-Schloss
KulturTalk
KulturTalk mit Marvin Gedigk
Das Klötzle-Schloss im Museum beim Markt ist weit mehr als ein Ausflugsziel für Kinder und Familien. Warum der besondere Ort auch Erwachsene mit spannenden Einblicken, Geschichte und jeder Menge Entdeckungsmöglichkeiten begeistert, hat Marvin Gedigk Julia und Lucienne im KulturTalk verraten.
Foto: Badisches Landesmuseum
Was ist seit der Schließung des Badischen Landesmuseums im vergangenen Herbst passiert?
Seither wurde viel eingepackt: Wir haben insgesamt 17.000 Kulturobjekte, Ausstellungsobjekte auf der Fläche gehabt, die jetzt nach und nach eingepackt werden. Das kann natürlich nicht so einfach funktionieren wie bei einem Umzug – man kann nicht kurzerhand einen Karton holen, die Vitrine aufmachen und alles reinwerfen. Stattdessen muss begutachtet, dokumentiert und dann fachgerecht verpackt werden. Das dauert seine Zeit, aber auch das Bauamt hat schon angefangen, weiter das Gebäude zu erkunden. Es wurde auch schon gebohrt, um Schadstoffe oder die Statik zu prüfen.
Was bedeutet der neue Open Space „museum x“ im Museum beim Markt – und was erwartet Besucherinnen dort?
Das Museum beim Markt ist seit vielen Jahren ein Standort des Badischen Landesmuseums. Es zeigt im oberen Geschoss eine Schausammlung mit Jugendstil, Art déco, modernes Design und seit der Corona-Phase gibt es auch im Erdgeschoss den Open Space. Anlässlich der Sanierung im Karlsruher Schloss wurde der Open Space erneuert, weil das unser einziger verbliebener Karlsruher Standort ist und in der Art und Weise er an Bedeutung für uns gewinnt. Die Bürgerinnen und Bürger haben dort einerseits die Möglichkeit, sich im Sinne eines Open Spaces frei aufzuhalten und ihn zu nutzen, wie sie möchten. Wir haben Sitzmöbel und verschiedene Elemente eingebracht, mit denen man sich beschäftigen kann. Ein größeres Projekt, das Klötzle, auf das wir gleich zu sprechen kommen, wird dann ab Mai zu sehen sein. Wir wollen den Open Space in den kommenden Monaten und Jahren weiter als Veranstaltungsraum ausbauen, damit man sich dort über die laufende Sanierung im Karlsruher Schloss zu informieren.
Frei zugänglich heißt also: Ich kann einfach vorbeikommen, ohne ein Museumsticket zu brauchen?
Vollkommen richtig, der Open Space ist kostenlos zugänglich. Wenn man sich die genannte Sammlungsausstellung anschauen wollen würde, müsste man Eintritt bezahlen.
Was verbirgt sich hinter dem sogenannten Klötzle-Schloss?
Das Klötzleschloss oder auch das Badische Landesmuseum in Miniatur ist ein Projekt von uns mit der Karlsruher Klemmbausteinfirma Stone Heap. Ein anderer populärer Hersteller von Klemmbausteinen ist Lego, deren Patentschutz und Design für diese Bausteine vor einigen Jahren ausgelaufen ist. Entsprechend gibt es seit mehreren Jahren verschiedene Mitbewerber und Stone Heap gehört eben zu den Herstellern, die jetzt auch Klemmbausteine anbieten. Wir haben uns zusammengetan, weil es immer unser Wunsch seitens des Museums war, dieses Schloss und auch die Ausstellungen präsent zu halten im Karlsruher Raum. Es kam die Idee auf, ein Modell des Karlsruher Schlosses zu erstellen. Und letztendlich ist das Klötzle genau das: ein Modell des Karlsruher Schlosses im Maßstab 1 zu 34. Wir reden dann davon, dass das Modell knappe 4,75 Meter Breite hat. Der Schlossturm hat etwa 1,60 Meter Höhe. Das sind imposante Ausmaße – und das komplett aus Klemmbausteinen. Dabei kommen etwa 250.000 Steine zusammen.
Wenn man von vorne drauf schaut, hat man diese typisch barocke Fassade, die sich einem erschließt, wenn man vom Marktplatz auf das echte Schloss zuläuft. Und wenn man dann um dieses Modell herumlaufen würde, haben wir eine Puppenhausanmutung, wo dann die Vitrinen, die Schausammlungen im Zustand von September 2025 zu sehen sind. In dem ersten Schritt zeigen wir das Vergangene, um so auch einen Erinnerungsort zu schaffen, wo man sich daran erinnern kann, was früher im Badischen Landesmuseum gezeigt wurde. Wir glauben, dass das in Anlehnung an andere Attraktionen, wie zum Beispiel das Miniaturwunderland in Hamburg, auch einen gewissen Schauwert hat. Und Klemmbausteine, das ist ja das Schöne an dem System, sind sehr kreativ und modular. Da wird sich die nächsten Jahre viel verändern können und so lohnt es sich bei kostenlosem Eintritt auch immer mal wieder vorbeizuschauen.
Das Klötzle-Schloss macht das geschlossene Karlsruher Schloss im Kleinen erlebbar, wer baut das Modell aus Klemmbausteinen?
Wir arbeiten mit der Firma Stone Heap zusammen. Die treten als Kooperationspartner auf, aber auch als Hersteller, dass sie uns diese Massen an Klemmbausteinen zur Verfügung stellen oder produzieren lassen. Wir arbeiten immer wieder in Bausteinen der Farbe Light Yellow, die im Klemmbaustein-Kosmos sehr, sehr selten ist. Das bringt eigenen Herausforderungen mit sich. Die Firma wird wiederum unterstützt von dem Stammtisch der AFOL (Adult-Fans of Lego). Da kommt auch der dänische Markenname wieder durch. Das ist eine Gruppe von Fans, die privat viel mit Klemmbausteinen bauen. Vielen Karlsruherinnen und Karlsruher sind sie vielleicht bekannt, weil sie im Regierungspräsidium eine Ausstellung gemacht haben, die sehr gut besucht gewesen ist. Dort wurden viele ihrer Privatprojekte ausgestellt und auch in diesem Winter werden sie wieder im Regierungspräsidium eine Ausstellung haben. Das sind die kreativen Köpfe und die umsetzenden Köpfe dahinter, wie dieses Klemmbausteinschloss, das Klötzle, entsteht.
Gibt es die Möglichkeit, sich zu beteiligen und selbst mitzubauen?
Ja und nein. Erstmal vielleicht nein. Die jetzige Ersteinrichtung wird komplett von Stone Heap in Zusammenarbeit mit diesem Stammtisch erledigt. Das Badische Landesmuseum plant ab den Sommerferien, dass Workshops angeboten werden. Je nachdem, wie kreativ motiviert man an dem Tag ist, baut man entweder was Vorgedachtes im Sinne einer Anleitung nach, wie man es auch regulär von Klemmbaustein-Sets kennt, oder, dass es ein freies Bauen gibt. Das ist, glaube ich, in dem Fall besonders reizvoll, weil wir gewissermaßen vorgefertigte Platten zur Verfügung stellen können, auf denen dann die Leute ihre eigene Ausstellung bauen können und diese Platten können dann in den Sonderausstellungsbereich eingeschoben werden, den auch unser Klötzle haben wird. Dann kann jeder von seiner eigenen Ausstellung im Klötzle ein Foto machen und als Erinnerung mit nach Hause nehmen.
Im Museum X finden regelmäßig Veranstaltungen statt, welche Formate und Programmpunkte gibt es?
Am Freitag haben wir regelmäßig um 16:00 Uhr ein Veranstaltungsangebot. Das schließt sich an den Happy Friday an, den es schon im Schloss gab. Dabei gibt es Führungen durch die genannten Ausstellungen oder Talkformate etc. Wir wollen das Museum X, das Museum beim Markt, in den nächsten Monaten und Jahren weiter als Veranstaltungsort ausbauen. Vielleicht gibt es dann dort Live-Podcasts oder Ähnliches. Wir werden sehen, wohin sich das entwickelt.
Das Klötzle-Schloss ist jetzt im Museum X. zu sehen. Wie lange kann man es dort anschauen?
Erstmal für viele Jahre, weil das Klötzle als Begleitprogramm zur großen Sanierung gedacht ist. Solange die Sanierung läuft, soll auch das Klötzle zu sehen sein und wir wollen das Klötzle noch so weiterentwickeln, dass nicht nur der Zustand von September 2025 gezeigt wird, sondern dass sich das Klötzle mit den Jahren mitentwickelt und dann den Sanierungsfortschritt unter anderem mit aufzeigt. Wir wollen den Ort nutzen, um über die Baumaßnahmen zu informieren und das kann mithilfe des Modells sehr plastisch gemacht werden.
Vielen Dank...
… dass du über Eure Arbeit berichtet hast! Wir wünschen weiter viel Erfolg.