Folge #37: Museumssommer im Badischen Landesmuseum
KulturTalk
KulturTalk mit Dr. Alexander Wolny
Im Kultur-Kaffeekranz Podcast informieren Julia und Jana über aktuelle Highlights der Kultur und interviewen spannende Menschen aus den Karlsruher Einrichtungen. Am 28. September ist es so weit: Das Badische Landesmuseum schließt wegen Sanierung für einige Jahre seine Türen. Was wird dann im Schloss passieren? Wie wird das Badische Landesmuseum weiterarbeiten? Und was könnt ihr bis dahin noch im Museumssommer erleben? Dr. Alexander Wolny, Leiter der Abteilung Kommunikation, hat uns darüber im KulturTalk berichtet.
Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes Deters
Ende September wird das Badische Landesmuseum vorläufig schließen. Was passiert dann im Schloss?
Das Schloss ist ein ziemlich altes Gebäude aus den 1950er und 60er Jahren. Wie bei allen Gebäuden aus dieser Zeit ist irgendwann alles nicht mehr up to date. Im Betrieb merken wir das vor allem an der Raumtemperatur und dem Raumklima wegen der Heizung, aber auch an der Barrierefreiheit, die besser sein könnte. Einerseits ist es natürlich schade, dass wir lange schließen, aber es ist auch eine große Chance, denn in dieser Zeit wird das Schloss generalsaniert.
Hast du Tipps, was man bis dahin im Badischen Landesmuseum alles entdecken kann?
Zum Einen kann man bis dahin nochmal alle unsere Sammlungsausstellungen sehen, die das Haus in den letzten Jahrzehnten geprägt haben. Bis zur Schließung sind sie alle noch offen. Zusätzlich gibt es drei Sonderausstellungen, was echt viel ist. Die Ausstellung „Kann das weg?“ ist ein total schönes Projekt der Volontär:innen, bei dem es um die Themen Nachhaltigkeit und Wertschätzung für Dinge geht. Wie wurde in der Vergangenheit und wie wird heute mit der Vergänglichkeit von Dingen umgegangen? Was ist Müll – was nicht? Was kann man recyceln oder umfunktionieren? Schön ist, dass auch ein lokaler Bezug da ist und auf lokale Initiativen eingegangen wird, die sich mit dem Thema beschäftigen. Die zweite Ausstellung ist „Unrecht & Profit“, bei der es um die Rolle des Museums selbst im Dritten Reich geht. Auf welchen Wege wurden damals Objekte ihren Eigentümer:innen entzogen und wie kamen sie dann ins Museum? Das ist extrem spannend und relevant. Die dritte Ausstellung wurde am 4. Juli eröffnet: „Unvergängliche Augenblicke“ zeigt Fotografien des dpa-Fotografen Uli Deck. Das ist eine sehr schöne Bilderchronik, weil Uli Deck uns und auch Karlsruhe in den letzten zehn Jahren intensiv begleitet hat. So kann man eine Zeitreise mit den Bildern machen. Eine große letzte Chance ist auch, dass man noch einmal den Turm erklimmen kann, denn auch Turm und Gartensaal werden während der Schließzeit nicht begehbar sein. Also: noch einmal auf den Turm gehen, Karlsruhe bewundern und im Museumssommer Besonderes erleben!
Was wird im Museumssommer genau angeboten?
Uns war wichtig, unter dem Motto „Noch einmal Baden in Kultur“ die ganze Bandbreite des Museums zu zeigen. An der KAMUNA am 2. August fangen wir an und gehen dann Woche für Woche durch alle Sammlungsausstellungen und machen jeweils ein Best Of mit Führungen für Groß und Klein, mal mit Kurator:innen, mal für Familien, Werkstätten zu jeder Ausstellung und Gesprächsformaten in der Ausstellung. So können alle Besucher:innen die vertrauten Ausstellungen gebührend verabschieden. Es wird aber auch eine Special Event-Reihe geben, bei denen man gemeinsam im Schloss ganz unerwartete Dinge machen kann. Wir machen zum Beispiel einen Brettspiel-Abend zum Thema Mittelalter im Brettspiel wie bei Carcasonne, Kingdom Builder oder Catan mit historischen Themen wie Handel oder Krieg, bei dem ein Board Game Historian einen Vortrag hält. Wir machen antike Modenschauen in der Ausstellung, schicken Römer zum Anfassen als Legionäre durch die Ausstellung, die Rede und Antwort stehen. Ein ganz besonderes Event ist die Fahnengestaltung gemeinsam mit den Besucher:innen, die dann auch auf dem Turm gehisst wird.
Wie sieht das Programm am Abschluss-Wochenende aus?
Da wird das Schloss selbst mit der Ausstellung „Schloss und Hof“ im Mittelpunkt stehen. Es wird Kostümführungen mit den ehemaligen Bewohner:innen des Schlosses, Karl Wilhelm und Karoline Luise, geben. Am vorletzten Tag veranstalten wir außerdem eine Disco, bei der man in den Abschluss tanzen kann. Am letzten Tag findet dann die große Museumsauktion statt, bei der man sich etwas ersteigern kann. Das sind zwar keine Objekte, aber Gestaltungsobjekte, Mobiliar, Kostüme oder Repliken. Das wird bestimmt ein schönes Ende, weil die Menschen sich ihr Stück Schloss mitnehmen können.
Muss man sich für die Events anmelden? Kosten sie etwas?
Bis zum letzten Tag gelten die üblichen Eintrittspreise, am letzten Tag ist der Eintritt aber frei. Die meisten Angebote sind im Eintritt inbegriffen, mit Ausnahme der Museumsdisco und der Führungen. Wir haben darauf geachtet, eine gute Balance zu finden zwischen Angeboten, bei denen wir die Gruppen begrenzen müssen, und solchen, bei denen alle en passant mitmachen können, sodass für jede:n etwas geboten ist.
Hast du ein persönliches Highlight, das man vor der Schließung noch mitnehmen sollte?
Mein Highlight ist das Fahnen-Event, weil es einfach verbindend ist. Die Fahne war ja immer wieder ein Politikum in der Presse. Was darf dort wann hängen? Wer entscheidet das? Ich finde sehr schön, dass wir mit den Bürger:innen einen Abschiedsgruß gestalten. Alle können mitmachen bei dem, was da gehisst wird, und es ist auch ein schönes zeitgeschichtliches Objekt, das wir anschließend in die Sammlung aufnehmen werden. So wird die Abschiedsfahne wirklich museal. Als Fan von Flaggen und Wappen habe ich daran besonders großen Spaß.
Wie wird es nach der Schließung weitergehen?
Wir werden weiter mindestens genauso viel arbeiten wie bisher, auch wenn unser Hauptsitz geschlossen ist. Wir haben noch Zweigmuseen, in Karlsruhe zum Beispiel das Museum beim Markt und das Museum in der Majolika, aber auch das Deutsche Musikautomaten-Museum in Bruchsal und mehr, die wir dann bespielen. Im Museum beim Markt werden wir das Erdgeschoss neu gestalten, in dem früher das museum x war. Die Erfahrungen von dort und aus dem Luftschloss im Schloss wollen wir dort in einem Open Space aufgreifen und einen schönen offenen Raum gestalten, der in der tollen Lage am Marktplatz zum Besuch einlädt und kostenfrei und niederschwellig über uns informiert. Ab dem Frühsommer 2026 startet die Kooperation mit der Kunsthalle Baden-Baden, bei der wir sicher auch spannende Projekte realisieren können. Hier wird es darum gehen, unsere Sammlung mit Positionen aus der aktuellen Kunst zu kontrastieren, was für uns sicher extrem spannend wird, mit neuen Formaten einen neuen Blick auf unsere Objekte zu werfen. Sicher ist das auch eine gewinnbringende Testfläche für Neues. Wir aus der digitalen und analogen Vermittlung haben uns auch schon viele Gedanken gemacht, wie wir es schaffen können, ab Herbst weiterhin da zu sein. Es wird im Museum beim Markt weiterhin Angebote wie die Happy Friday-Reihe jeden Freitag um 16 Uhr geben. Hier wollen wir ganz verschiedene und auch neue Formate einbauen. Es wird auch Werkstätten geben, die Wachhäuser vor dem Schloss sind immer noch nutzbar. Im digitalen Bereich hatten wir gerade den Relaunch unserer weiterentwickelten App Ping!, mit der man im Stadtraum zum Thema Demokratie chatten kann. Mit der Schließzeit im Herbst werden wir dann auch einen Blog starten, wo wir zum Einen über die Arbeiten währenddessen berichten, zum Anderen aber auch über die Projekte der Kurator:innen oder die Außenstellen. Wir wollen auf allen Kanälen, die wir haben, informieren und unterhalten.
Möchtest du noch etwas besonders erwähnen?
Alle können ab jetzt auch Pat:innen eines Objekts werden! Unter katalog.landesmuseum.de/patenschaft kann man sich die Auswahl an Objekten in verschiedenen Spendenkategorien anschauen und mit der Patenschaft seine Verbundenheit mit der Kulturgeschichte des Landes und uns ausdrücken.
Vielen Dank...
dass du bei uns im Kulturtalk zu Besuch warst! Wir wünschen Euch viel Erfolg für alle kommenden Projekte.