Folge #39: Kino neu erleben in der Kinemathek
KulturTalk
KulturTalk mit Ursula Nießen-Ursprung und Kimlotte Stöber
Im Kultur-Kaffeekranz Podcast informieren Julia und - als Gast-Host - Amélie über aktuelle Highlights der Kultur und interviewen spannende Menschen aus den Karlsruher Einrichtungen. Mit der Kinemathek befindet sich in Karlsruhe ein ganz besonderes Kino: Dort finden nicht nur regelmäßig spannende Special Events wie das Maschenkino statt. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Medienbildung. Ursula und Kimlotte haben im KulturTalk berichtet, was das bunte Programm in nächster Zeit bietet.
Karlsruher Theaternacht: Team, Foto: Jürgen Schurr
Was sind Eure Aufgaben an der Kinemathek?
Ursula: Ich arbeite jetzt seit zwölf Jahren in der Kinemathek, die es schon seit fünfzig Jahren an unterschiedlichen Orten gibt. Seit 2006 befindet sie sich mit zwei Kinosälen in der Kaiserpassage 6, der große unten und einer oben, gemeinsam mit dem Jazzclub. Seit diesem Jahr arbeiten wir im Sinne der Soziokratie. Das ist eine Organisationsform, die auf Gleichwertigkeit und Entscheidungen im Konsens basiert. Wir arbeiten also in Fähigkeiten und Rollen. Meine Tätigkeit ist dabei die Büro-Organisation und Verwaltung, Kommunikation und Repräsentation der Kinemathek nach außen. Meine Lieblingsbeschäftigungen sind das Netzwerken und Empfehlungsmarketing, daran habe ich große Freude.
Kimlotte: Ich bin seit eineinhalb Jahren an der Kinemathek und wurde speziell für das EU-Projekt EXPECT_art eingestellt. Ich habe aber auch noch andere Aufgaben, vom Korrekturlesen von Flyern bis hin zur Abendbetreuung und der Organisation von Kooperationen mit Initiativen und Institutionen aus der Stadt. Da überlegen wir, wie man den Abend gestaltet, wen man noch einlädt oder wer vielleicht am Ende des Films noch ein Interview gibt.
Wir sind über Social Media auf das Maschenkino aufmerksam geworden. Was ist das genau und was ist das Besondere daran?
Ursula: Beim Maschenkino kann jede:r nach Herzenslust stricken und häkeln, während im Hintergrund der Film läuft. Im Kino wird das Licht nach Absprache so gedimmt, dass die Menschen die Maschen noch sehen können. Wir geben auch Strick-Hilfen, wenn sich jemand nicht auskennt, kann die Person trotzdem gern kommen und wird angeleitet. Das Besondere ist, dass wir den Film schauen und zusammen handarbeiten. Da entsteht eine besondere Atmosphäre, wie ein „Magic Moment“, wenn man zusammen kreativ ist. Socializing durch die Stricknadel sozusagen!
Wie seid ihr auf die Idee zum Maschenkino gekommen?
Ursula: Tatsächlich stricke und häkle ich schon sehr lange. Meine Kollegin Carmen Beckenbach ist auch mit Ugly Schals strickend unterwegs. Ich mache auch Kunsthandwerk und habe eine große Freude daran. Über Instagram habe ich entdeckt, dass vor allem im Norden Menschen zusammen stricken, häkeln und einen Film schauen. Ein Bild zeigte Jung und Alt strickend mit einer großen Freude. Das wollte ich bei uns machen.
Was steht beim nächsten Maschenkino auf dem Programm?
Ursula: Das nächste Maschenkino findet nach dem Feiertag am Samstag, 4 Oktober, um 17 Uhr statt. Gezeigt wird die Komödie „Hello again – Ein Tag für immer“, zu der auch kurz eingeführt wird. Am 22. November zur gleichen Uhrzeit findet auch nochmal Maschenkino statt. Es kann sein, dass auch Gäste dabei sind. Im August hatten wir die Kunsthalle dabei und haben Pflanzen gehäkelt, mit einer Ausstellung in der Orangerie. Wer weiß, was uns dazu noch alles einfällt!
Wie kommt man an Tickets für das Maschenkino?
Ursula: Tickets bekommt man natürlich – wie alle Informationen – über unsere Website. Man kann aber auch an die Abendkasse kommen und sich eine Karte reservieren lassen, zu den Öffnungszeiten vorbeikommen oder mich anrufen. Die Karten sind ab sofort erhältlich.
Mit EXPECT_art gibt es noch ein weiteres spannendes Projekt. Was verbirgt sich dahinter?
Kimlotte: Was die wenigsten wissen und auch die wenigsten Kinos haben, ist Medienbildung. Wir sind eines der wenigen Kinos, die neben Schulkinos, bei denen Schulklassen einfach zu uns kommen und Filme schauen, auch noch unter anderem dieses EU-Projekt haben. In dem Projekt sind sechs EU-Länder vertreten. Wir forschen zusammen mit Universitäten zu Cultural Literacy, auf Deutsch kulturelle Bildung. In jedem Land gibt es eine Universität und eine Kultureinrichtung, bei uns eben die Kinemathek und die RPTU Landau. Wir arbeiten eng zusammen, gehen in Schulen und machen dort kleine Projekte. Gleichzeitig schauen wir, wie Kultur gesellschaftliche Themen wie Diversität, Inklusion und Partizipation fördern kann. Am Ende erarbeiten wir ein Handbuch dazu, sodass Menschen, die das studieren, lernen können, was die Tricks sind, was gut funktioniert und was wurde erreicht. Aktuell sind wir in zwei Schulen. In einer haben wir kleine Filme gemacht, in der anderen eine kleine Aufführung eingeübt.
Kann man bei EXPECT_art noch irgendwie mitmachen?
Kimlotte: Von außen noch in das Projekt reinzukommen ist schwer. Wir treffen uns zwei Mal jährlich mit den anderen Ländern, organisatorisch ist das sehr komplex. Am Ende wird es aber das Handbuch geben und es gibt auch eine Homepage, auf der man sich anschauen kann, was wir genau machen. Das ist vor allem für Studierende aus dem Bereich sicher interessant. Außerdem hat die Kinemathek im Bereich viele weitere spannende Projekte wie die Schulkinowochen oder Cinéfête. Bei diesen Festivals kommen sehr viele Klassen zu uns und haben die Möglichkeit, in der Kinemathek mithilfe von Filmen gebildet zu werden. Schulen können sich generell bei uns melden, wenn sie etwa einen Film zu einem bestimmten Unterrichtsthema suchen oder schon eine Filmidee haben, die sie im Kino erleben wollen statt in der Institution Schule. Für Kinder und Jugendliche ist das immer etwas Besonderes und ein schönes Event.
Welche spannenden Veranstaltungen stehen in der nächsten Zeit noch auf dem Programm der Kinemathek?
Ursula: Am 14. November kommen zum dritten Mal Regisseurinnen zu uns, die Filme über weltweite Matriarchate gemacht haben. Wir schauen einen Film, im Anschluss gibt es einen Austausch darüber beim ersten Matri-Zirkel-Treffen im Anne-Frank-Haus. Bei uns gibt es immer sehr viele Kooperationen. Wir überlegen immer, welche Dinge mittels Film in die Welt gehören.
Kimlotte: Kooperationen finden oft mit lokalen Institutionen statt, aber auch mit Kleingruppen, die sich zusammentun und fragen, ob man einen Film zeigen kann. Am 27. September zeigen wir „Das deutsche Volk“ in Kooperation mit dem OAT, bei dem es um die Anschläge in Hanau geht. Wenn ihr euch denkt, dass ihr einen Film gern mal im Kino sehen würdet oder anderen Menschen nochmal im Kino zeigen, meldet euch bei uns! Dann kann man das organisieren. Ansonsten haben wir auch mehrere Reihen. Am letzten Mittwoch im Monat findet immer „Klima, Krisen, Utopien“ statt. Für Oktober steht der Termin noch nicht fest, im November zeigen wir am 20. In Kooperation mit dem ITAS den Film „The Magnitude Of All Things“. Dazu haben wir dann auch Gäste eingeladen und wollen anschließend noch über Visionen der Nachhaltigkeit sprechen und uns mit dem Thema Trauer und Loslassen befassen, was die Menschen im Zusammenhang mit dem Thema Klima sehr beschäftigt. Ich habe ja schon erwähnt, dass es auch viele Festivals gibt: Das dokKa ist unser eigenes Festival, ein Dokumentarfestival. Es gibt aber auch das Stummfilmfestival, das Farsi Film Festival, Cinéfête und Cinema Italia. Vom 18. bis 26. Oktober finden auch wieder die Pride Pictures statt, das Queer Film Festival. Damit habe ich persönlich die Kinemathek kennengelernt und finde das Programm jedes Jahr wieder sehr beeindruckend, das kann ich nur sehr empfehlen. Immer wieder haben wir kleine Specials, da lohnt sich ein Blick auf die Homepage. Ganz neu ist auch der Cineclub für Jugendliche, bei dem sie selber entscheiden können, welche Filme wir zeigen sollen. Zusätzlich gibt es auch noch die Mazel Talk-Reihe mit israelischen Filmen. Es gibt die Eltern-Kino-Zeit, bei der man mit seinem Baby ins Kino kommen kann, wobei auch das Licht ein bisschen an bleibt. Wir haben das Bobbycar-Kino für die ganz Kleinen.
Ursula: Außerdem haben wir noch das Seniorenkino „Junge Alte“ am Donnerstagmittag um 15 Uhr einmal im Monat. Auf Wunsch gibt es auch Audiodeskription für Menschen mit Seheinschränkung. Man kann unser Kino auch mieten.
Kimlotte: Genau! Wenn ihr gern eine Veranstaltung bei uns machen möchtet, meldet euch gern. Das kann dann sowohl eine öffentliche Veranstaltung in unserem Programm sein als auch eine interne Vermietung.
Vielen Dank...
dass ihr bei uns wart uns über das vielfältige Programm der Kinemathek berichtet habt!