Digitale Schlosslichtspiele 2020

Ein virtuelles Interview mit Techniker Benjamin Brostian

Zum Interview

Teresa & Katja • August 2020

Am 5. August starteten die ersten digitalen SCHLOSSLICHTSPIELE Karlsruhe, die in diesem Jahr unter dem Titel „Abbruch in der Realität - Aufbruch in die Virtualität“ stehen. Anders als bei den bisherigen SCHLOSSLICHTSPIELEN wird bei der digitalen Edition kein Werk auf ein reales Objekt in echtem Gelände projiziert. Stattdessen wurden Schloss und Schlossplatz aus abertausenden von Fotos digital „nachgebaut“. Auf dieses virtuelle Schlossmodell werden nun die Shows „gemappt“. In unserem Gespräch mit Technik-Chef Benjamin Brostian haben wir spannende Einblicke hinter die Kulissen bekommen…

Trailer zu den digitalen Schlosslichtspielen 2020 der Karlsruhe Marketing und Event GmbH

Unser Stargast: Benjamin Brostian - Technik-Chef der SCHLOSSLICHTSPIELE Karlsruhe und Geschäftsführer der iXtenda GmbH.

© Fotograf Falk Weiß

Warum ist auch die digitale Edition eine besondere Herausforderung? Auf was muss genau geachtet werden?

Gerade die Tatsache, dass es eine rein digitale Ausgabe der Schlosslichtspiele ist, bringt eine ganze Menge von neuen Herausforderungen mit sich. Die Tatsache innerhalb von wenigen Wochen ein weißes Blatt Papier mit einem detailgetreuen Schlossplatz, Schloss, Umgebung und Künstlercontent zu füllen war eine riesige Aufgabe. Wir sind IT und Softwareentwickler die sich viel mit Cloud Computing und Echtzeitgrafik für z.B. Spiele und Apps beschäftigen, also war für uns klar, dass wir keinen „statischen Content“ produzieren, wies bei klassischer sog. CGI Grafik geschieht, sondern das wir theoretisch jeden Faktor dessen was wir dort darstellen verändern können und zwar jederzeit und nach Belieben. Es kann bewölkter sein, es kann regnen, es können 100 oder 10000 Menschen vor dem Schloss stehen usw. Für die „going Live Situation“ was der Besucher abends sieht haben wir uns für einen Exporteiner jeweiligen Stimmung entschieden, wobei sich die Stimmung von Dämmerung auf Nacht verändert – übrigens ebenso die Fahne am Schloss.

Eine realistische Umgebung lebt von ihrer perfekten Unperfektheit (heißt das denn so?) Das bedeutet, dass keine Fläche oder Form identisch ist und von ihren kleinen Defekten lebt. Mal fehlt die Farbe, hier ist ein Graffiti oder die Laternen haben Aufkleber der KSC Fans erhalten. All das haben wir mit einer Technik Namens Photogrammetry erfasst. Aus mehreren tausend Einzelbildern und vielen Stunden 4K Videomaterial haben wir einen digitalen Zwilling und Fußabdruck des Schlosses uns seiner Umgebung geschaffen was und als Leinwand dient. Was die letzten Jahre in Kleinstarbeit mit den Projektoren geschehen ist, sie wurden auf den cm genau aufs Schloss gebracht, hat dieses Jahr etwas leichter funktioniert und hat nicht so viel Zeit in Anspruch genommen, jedoch haben wir viel Zeit in passives Licht und Reflektionen gesteckt was dem Betrachter aus einigen Perspektiven wirklich das Gefühl gibt „ist das real oder nicht?“.

© iXtenda GmbH

© iXtenda GmbH

Bei den virtuellen Shows werden Sie auch Wetterbedingungen nachahmen. Wie setzen Sie das technisch um?

Wir werden an manchen Ecken und Enden mal mehr oder mal weniger Wolken entstehen lassen, mal wird es Sternenklar sein. Ob wir es zeitweise regnen lassen haben wir uns noch nicht überlegt, möglich ist es jedoch. Um die Rechenleistung zur Darstellung eines jeden Nutzers aber zu gewährleisten, bekommen die Besucher keine Echtzeitanwendung zur Verfügung gestellt und aus Gründen der Qualität auch keine bspw. WebGL Anwendung – sondern ein maßgeschneidertes Video mit dem Ablauf der jeweiligen Shows wo sie sich die jeweilige Perspektive auswählen können. Parallel dazu arbeiten wir an einer Echtzeitlösung welche wir aber mehr als Forschungs-/ und Spieleprojekt betrachten, in der am Ende jeder Besucher selbst das Wetter verändern kann und Einfluss auf die Shows und die Umgebung haben kann. Das ist jedoch nicht für die diesjährigen Schlosslichtspiele eingeplant ... wer weiß, nächstes Jahr wollen wir ja ggf. ohnehin zweigleisig fahren sagte Herr Dr. Mentrup und Martin Wacker.

Welche zusätzliche Technik musste für das neue Format der virtuellen Schlosslichtspiele angeschafft werden? Wie viel Vorbereitungszeit steckt dahinter?

In Summe arbeiten wir seit ungefähr Mitte Mai an dem Projekt, was für so ein Vorhaben nicht viel Zeit ist. Die Entscheidung, dass Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober untersagt bleiben, war der „endgültige Startschuss“ für unser Projekt. Das schöne ist, was wir einmal Erschaffen haben im virtuellen Raum, geht nie verloren und so nutzen wir das entstandene ebenso in der Abstimmung und Kreation der ggf. neuen Shows für das nächste Jahr um zu simulieren wie welcher Content zu welchen Uhrzeiten aus welchen Positionen aussieht.

© KME Karlsruhe Marketing & Event GmbH und ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

© KME Karlsruhe Marketing & Event GmbH und ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Gibt es eine Lichtshow, die besonders anspruchsvoll in der Umsetzung war/ist?

Das Gesamtvorhaben an sich war von der Umsetzung sehr anspruchsvoll. Wir geben den Künstlern sog. Production Templates an denen sie sich orientieren. Das bedeutet, dass Sie in der Produktion der Inhalte frei sind, das Ausgabeformat jedoch auf den mm genau auf das Template passen muss. Die Gesamtumsetzung all dessen, sprich die reale Welt und Medien die wir bereits in den letzten Jahren auf dem Schloss gesehen haben, in eine virtuelle Welt zu verwandeln – welche viele Karlsruher fast jeden Tag sehen und dementsprechend sehr hohe Erwartungen an „ihr Schloss haben“ – das wiederum mit neuen und schon bestehenden Künstlerinhalten zu „verheiraten“ und ein Gesamterlebnis entstehen zu lassen was einfach gesamtheitlich einnehmend ist – das war unsere größte Aufgabe.

Welches ist Ihr persönliches Highlight bei der digitalen Edition?

Ich muss ja sagen, dass ich seit Jahren Freund von Maxin10sity bin, dann kam Defilee zum 100. Geburtstag der Avantgarde dazu – damit kam definitiv ein neues Highlight hinzu. The Object oft the mind ist auch toll und man entdeckt immer wieder etwas neues in der sehr detailverliebten Arbeit der Künstler. Die beiden neuen Shows von TNL und ruestungsschmie.de sind gleichauf. Beide sind künstlerisch und inhaltlich sehr sehr aufwendig und toll gemacht. Die Ansätze sind durchweg verschieden, keine Frage. Während ruestungsschmie.de deutlich progressiver und abstrakter mit musikalischen Bezügen an ihr Storytelling geht, ist The Night Lab TNL um Matthias Strobl und sein Team mehr von visuell und bildlich einnehmenderen Seite an das Projekt herangetreten und haben unglaublich beeindrucken Gesamtinhalte und Eindrücke generiert. Beide Shows sind top und definitiv zählen sie zu den Top 10 der letzten Jahre.

Mein persönliches Highlight jedoch sind die Kameraperspektiven aus dem, wir nennen ihn Directors Cut. Er ermöglicht Perspektiven, welche in der Realität nie möglich wären und die Perspektive wechselt ständig, sodass es immer wieder neues aus neuen Blickwinkeln zu entdecken gibt.

© iXtenda GmbH

© iXtenda GmbH

Vielen Dank für das Interview, lieber Herr Brostian! Wir freuen uns schon auf einen tollen Sommer mit den digitalen Schlosslichtspielen! Diese können noch bis zum 13. September bestaunt werden.

Hier geht es zum Interview mit dem Schwarzwaldradio:

Weitere Kultur-Sommer Highlights gibt es hier.

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