HumANimal – Das Tier und Wir

Ein Rundgang durch die Ausstellung

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Xenia und Katja

Seit Mitte Februar geht es im Badischen Landesmuseum tierisch zur Sache! In der neuen Sonderausstellung HumANimal – Das Tier und Wir könnt ihr die Mensch-Tier-Beziehung von der Antike bis in die Gegenwart unter die Lupe nehmen und aktuellen tierethischen Fragen auf den Grund gehen. Wir waren schon dort haben uns auf einen Rundgang durch die tierisch gute Ausstellung begeben…

120 Quadratmeter Mensch-Tier-Beziehung

In der Ausstellung im zweiten Obergeschoss des Badischen Landesmuseums könnt ihr euch auf 120 Quadratmetern mit den zentralen Aspekten des oft widersprüchlichen Mensch-Tier-Verhältnisses beschäftigen – vom Tier als zuverlässigem Begleiter und besten Freund des Menschen bis hin zum nützlichen Helfer sowie Opfertier und Rohstoffquelle. Mit den Schwerpunktthemen dieser Ausstellung (Exotismus, Jagd, Fleischkonsum und Vegetarismus, Religion sowie Unterhaltung) wird uns schnell klar, dass das Tier innerhalb der Kulturgeschichte des Menschen viele verschiede Rollen und Funktionen einnimmt…

Das Tier als Gottheit und Opfertier

Begrüßt werden wir von dem Maskottchen von „Humanimal“: Der Winke-Katze. Die aus Japan stammende Maneki-neko kannten wir bisher nur aus asiatischen Restaurants oder Lebensmittelläden – was wir aber noch nicht wussten: In der japanischen Kultur stellt sie die Wiedergeburt einer Gottheit dar und gilt in der traditionellen religiösen Praxis Japans als Glücksbringer.

Und wo eine Katze zu finden ist, sind auch Mäuse nicht weit…Aber Mäuse in Särgen?? Ja, gleich zwei kleine Spitzmaussärge gibt es in der Ausstellung zu sehen: Im alten Ägypten wurden nämlich Spitzmäuse mumifiziert und als Opfergabe zur Ehrung einer bestimmten Gottheit angesehen.

Dass das Tier für den Menschen schon immer von großer Bedeutung war, spiegelt sich auch in vielen weiteren Exponaten wieder…

Das Tier als nützlicher Helfer

Ob Ochse als tierische Arbeitskraft in der Landwirtschaft oder Hund als Jagdgehilfe – Das Tier ist ein nützlicher Helfer des Menschen. Dies wird uns auch in verschiedenen Exponaten deutlich gemacht: So gibt es in der Ausstellung z.B. ein Ochsenjoch aus dem 19. Jahrhundert zu sehen, welches dazu bestimmt war, Tiere als Arbeitstier zu nutzen, in den Dienst des Menschen und unter seine Herrschaft zu stellen. Gleichzeitig erzählt ein badisch-großherzoglicher Prunkdolch aus Elfenbein von dem prestigeträchtigen Status der Jagd und vom Jagdhund als Komplize und Opfer zugleich. So dient der Hund als „Erfüllungsgehilfe“ des Menschen, indem dessen natürlicher Jagdtrieb z.B. bei der Erlegung eines Hirsches ausgenutzt wird.

Ganz schön erschreckend, welchen großen Einfluss der Mensch auf das Tier hat…

Das Tier als Unterhaltung

Der große menschliche Einfluss auf das Tier wird uns auch bei dem nächsten Exponat vor Augen geführt: Wir stehen vor einem Musikautomaten, welcher eine Jahrmarktszene mit Tanzbär und Bärenführer darstellt. Bei Betrachtung des angeketteten Bärs, welcher sich langsam auf seine Hinterpfoten stellt und sich um die eigene Achse dreht, bis er wieder zu Boden sinkt, überkommt uns jedoch ein bedrückendes Gefühl und Mitleid mit dem kräftigen, aber hilflosen (Raub-)Tier. Hier wird verdeutlicht, dass die Mensch-Tier-Beziehung jeher auch durch die Herabsetzung des Tieres als „Publikumsmagnet“ – als Unterhaltungsmedium durch und für den Menschen – gekennzeichnet ist.

Umso schöner finden wir es, die Freundschaft zwischen Tier und Mensch in den nächsten Exponaten unter die Lupe zu nehmen…

Das Tier als bester Freund

Zwei bunte Keramiken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen uns den Einzug der Tiere ins menschliche Heim und wie das Tier zum besten Freund und treuen Begleiter des Menschen wurde. Als stubenreine Haustiere der Millennial-Generation haben auch Tamagotchis und flauschige Furbys der 1990er Jahre einen Platz in der Ausstellung bekommen. Wie die Tamagotchis eroberten die Furbys als flauschige Plappermäuler mit ihren langen Ohren und großen Kulleraugen die Kinderzimmer im Sturm. Beim Anblick dieser süßen „Haustiere“ können auch wir uns ein Schmunzeln nicht verkneifen und es werden so einige Kindheitserinnerungen geweckt.

Unser Fazit: Eine tierisch gute Ausstellung

Egal ob verehrte Gottheit oder gewinnbringendes Schlachtvieh, verwöhntes Familienmitglied oder nützliche Arbeitskraft - Bei Betrachtung der verschiedenen Rollen und Positionen des Tieres wird uns eins klar: Kaum eine andere Beziehung ist so widersprüchlich wie die zwischen Mensch und Tier. „HumANimal“ ist definitiv eine Ausstellung, die die Mensch-Tier-Beziehung material- und variantenreich präsentiert, zum Nachdenken anregt und nicht zuletzt die Frage aufwirft: Wie viel Tier steckt eigentlich im Menschen – und wie viel Mensch im Tier?

Unser Tipp: Um wissenswerte und spannende Hintergrundinfos zu erfahren, erkundet ihr die Ausstellung am besten per Führung.

HumANimal - Das Tier und Wir
Badisches Landesmuseum
21. Februar 2020 - 14. Februar 2021